Folge der MOSAIC expedition

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Re: Folge der MOSAIC expedition

Beitragvon Jochen » Sa 25. Jul 2020, 16:50

Tag 310 - Samstag 25. Juli 2020 - 7.924 km - 0,0°C - Position N79°55‘ W0°50‘ - Quelle

Diese Woche hat das Atmosphärenteam alle Wissenschaftler*innen und die Crew zu einem Open House in deren wissenschaftliche Container eingeladen. Sie erzählten uns über ihre wissenschaftlichen Fragestellungen und zeigten uns ihre Instrumente. Die fünf Container auf dem Bug der Polarstern beheimaten Instrumente, die uns helfen atmosphärische Prozesse, wie Partikel in der Atmosphäre, deren Eigenschaften und Bildung, sowie atmosphärische Strahlung, Wolkeneigenschaften und vieles mehr zu verstehen. Einige der Instrumente, die sie dazu benutzen sind Lichtradare, welche Laserpulse aussenden, um Wolken und Partikel in der Luft zu detektieren, sowie Wolkenradare, Partikelzähler und Massenspektrometer für die Untersuchung von Spurengasen. Die Besucher*innen an Bord waren sehr interessiert und haben über atmosphärische Themen gelernt, da es gerade bei MOSAIC um das Teilen von Wissen geht. Diese Interdisziplinarität ist nötig, um das Gesamtbild des Systems Zentralarktis besser verstehen zu können.

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Foto Lianna Nixon – Tuija Jokinen und ihr Container
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Re: Folge der MOSAIC expedition

Beitragvon Jochen » So 26. Jul 2020, 16:38

Tag 311 - Sonntag 26. Juli 2020 - 7.952 km - +2,9°C - Position N79°46‘ W1°51‘ - Quelle

Mittlerweile sind Eisbärenbesuche zum Alltag geworden. Seit einer Woche beobachten wir täglich die unterschiedlichen Eisbären auf ihrer Wanderung um und auf unserer Scholle. Einige kamen voller Neugierde auf unsere Scholle und inspizierten unser wissenschaftliches Equipment auf dem Eis, während andere auf Abstand blieben und ihren Weg an uns vorbei fanden. Die Häufigkeit von Eisbärsichtungen zu dieser Zeit im Jahr überrascht uns nicht, da wir uns immer weiter südlich befinden und der Eiskante inzwischen sehr nah sind. Eisbärpopulationen sind genau auf diesen Lebensraum auf dem Meereis mit offenen Wasserstellen angewiesen. Die häufigen Sichtungen erinnern uns aber auch daran, während unserer Arbeiten auf dem Eis wachsam zu bleiben.

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Foto Lianna Nixon - Polar bear
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Re: Folge der MOSAIC expedition

Beitragvon Jochen » Mo 27. Jul 2020, 18:23

Tag 312 - Montag 27. Juli 2020 - 7.981 km - +2,7°C - Position N79°33‘ W2°22‘ - Quelle

Die Meereisausdehnung in der Arktis ist im Juli dieses Jahres auf einem historischen Tiefstand. Besonders weit hat sich das Eis vor der sibirischen Küste zurückgezogen. Ein anomales Jahr kündigte sich schon früh in den Eisdicken und der Drift an. Dazu kommt eine Warmluftzelle, die im Juni für extrem hohe Temperaturen in Sibirien verantwortlich war und sich auch auf die Meereisbedeckung auswirkt: In der russischen Arktis sind rund 1 Million Quadratkilometer Ozeanfläche weniger von Meereis bedeckt als in den letzten 7 Jahren. „Das entspricht etwa 40 Prozent mehr eisfreiem Ozean“, erklärt Gunnar Spreen vom Meereis-Team. „So früh im Jahr so viel Wärme in das System zu bringen, beschleunigt und verfrüht das Schmelzen des Eises“, ergänzt Marcel Nikolaus, ebenfalls Team Meereis. „Das wirkt sich besonders stark aus, da die geringe Albedo in dieser Jahreszeit, wenn die Sonne während des Polartages durchgehend hoch am Himmel steht, eine besonders starke Rückkopplung hervorruft.“ Als Albedo wird die Reflexion der Sonneneinstrahlung bezeichnet: Eine eisbedeckte, weiße Oberfläche reflektiert viel Energie (hohe Albedo), eine offene, dunkle Wasseroberfläche wenig (niedrige Albedo).

 Mehr Infos gibt es hier:
https://www.awi.de/ueber-uns/service/pr ... stand.html

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Foto Markus Rex
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Re: Folge der MOSAIC expedition

Beitragvon Jochen » Di 28. Jul 2020, 16:32

Tag 313 - Dienstag 28. Juli 2020 - 8.005 km - +2,5°C - Position N79°20‘ W2°41‘ - Quelle

Während das Eis um uns herum schon lange zerfallen ist, hat unsere MOSAIC-Scholle, die wir im Oktober 2019 ausgewählt haben, immer noch eine beeindruckend stabile Basis für unsere Arbeiten. Aber auch diese Scholle wird ihren Lebenszyklus jetzt bald an der Eiskante beenden. Heute haben wir bereits in 300 Metern Höhe Temperaturen von 14 Grad Celsius gemessen und das Schmelzen ist im vollen Gange. Unsere Distanz zur Eiskante wird nun immer kleiner. Der offene Ozean hat somit auch immer größere Auswirkungen auf unsere jetzige Position. Wellen und Dünung auf dem Ozean können im Eisrandbereich das Auseinanderbrechen der Schollen beschleunigen und auch unsere Scholle damit beeinflussen. Genau diesen natürlichen Lebenszyklus über das anfängliche Entstehen, Wachsen und spätere Schmelzen bis zum Zerbrechen der Eisscholle dürfen wir während MOSAIC seit zehn Monaten mitverfolgen.

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Foto Luisa von Albedyll
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Re: Folge der MOSAIC expedition

Beitragvon Jochen » Mi 29. Jul 2020, 20:39

Tag 314 - Mittwoch 29. Juli 2020 - 8.026 km - +2,2°C - Position N79°10‘ W2°36‘ - Quelle

Wisst ihr, wie uns selbstgebastelte Leinwände in der Arktis helfen? Das Design ist nicht kompliziert, dennoch eine einfache und effektive Möglichkeit, die Eisschmelze uner den Instrumenten zu verringern. Bei der MOSAIC-Expedition werden Leinwände aus einem Holzrahmen und weißer Plane gebaut. Sie müssen strategisch um die Instrumente, Hütten und Installationen auf die Stellen gelegt werden, an denen das Eis schnell zu schmelzen beginnt und es damit das Fundament für die Geräte instabil macht. Die weiße Plane reflektiert das Sonnenlicht und schützt die Oberfläche daher vor Hitze. Co-Expeditionsleiter Matthew Shupe hat sie für den jetzigen Fahrtabschnitt gebaut. „Die Eisoberfläche um unsere Installationen schmilzt einen Meter oder mehr. Wir wollen verhindern, dass diese Installationen, wie z.B. der Met-Turm, umfallen. Diese Schutzmatten sind essentiell für unsere Arbeiten auf dem Eis.“

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Re: Folge der MOSAIC expedition

Beitragvon Jochen » Fr 31. Jul 2020, 14:02

Tag 315 - Donnerstag 30. Juli 2020 - 8.051 km - +2,3°C - Position N79°5‘ W2°26‘ - Quelle

Während unseres jetzigen Fahrtabschnitts wurde der größte Ballon des gesamten MOSAIC-Projekts in die Luft gelassen. De Fesselballon, bekannt als Beluga, fliegt bis in Höhen von 1000 m und misst atmosphärische Eigenschaften über der Scholle. „Die vertikale Verbreitung von Aerosolpartikeln, die wir messen, hilft uns die Dynamik der atmosphärischen Grenzschicht und die Prozesse der Wolkenbildung in der Arktis zu verstehen“, sagt Christian Pilz vom TROPOS-Institut in Leipzig. Die ruhigen Wetterbedingungen der letzten Wochen waren sehr günstig für ihre Messungen, denn bei starken Winden kann der Beluga nicht geflogen werden. „Die Wolken spielen im System der sich erwärmenden Arktis eine große Rolle, indem sie den Energieaustausch zwischen ihnen und der Erdoberfläche bestimmen. Unser Ballon ist eine großartige Plattform für diese Art von Messungen“, fügt Michael Lonardi hinzu.

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Re: Folge der MOSAIC expedition

Beitragvon Jochen » Sa 1. Aug 2020, 12:28

Tag 316 - Freitag 31. Juli 2020 - 8.109 km - +4,3°C - Position N79°4‘ W2°50‘ - Quelle

Nach genau 300 Tagen Drift mit der MOSAIC-Scholle hat das internationale Team vorgestern mit dem Abbau des Forschungscamps auf der Scholle begonnen. Es war ein perfektes Timing: Denn gestern ist die Scholle unter lautem Knallen schließlich in viele Einzelteile zerbrochen, die nun in wenigen Tagen in die offenen Gewässer der Framstraße hinaustreiben werden. Momentan sind die Schollenteile nur noch fünf Kilometer von der Eiskante entfernt.
Jetzt steht das letzte noch fehlende Puzzlestück im Jahreszyklus des arktischen Meereises im Fokus: das beginnende Gefrieren am Ende des Sommers. Für diese Phase wird die Polarstern weit nach Norden vorstoßen, wo di Eisbildung bereits demnächst einsetzen wird.

 Pressemitteilung https://www.awi.de/ueber-uns/service/pr ... odbye.html

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Re: Folge der MOSAIC expedition

Beitragvon Jochen » Sa 1. Aug 2020, 18:25

Tag 317 - Samstag 1. August 2020 - 8.116 km - +4,6°C - Position N78°48‘ W2°22‘ - Quelle

Am Donnerstag ist unsere MOSAIC-Scholle in viele kleine Bruchstücke auseinandergebrochen nachdem wir am Tag zuvor das Forschungscamp abgebaut hatten. Bis Freitag früh sind die Bruchstücke, kaum eines größer als 50 Meter Durchmesser, in alle Richtungen auseinandergedriftet und die MOSAIC-Scholle existiert jetzt nicht mehr. Nach der Bergung einer noch verbliebenen Hütte auf einem der Bruchstücke, verließen wir die Eisbrocken, aus denen unsere Scholle einmal bestand. Wir sagten vom Heli-Deck aus gemeinsam auf Wiedersehen zu diesem wundervollen Stück Eis, das uns für zehn Monate eine treue Heimat war und welches uns geholfen hat, die Arktis besser zu verstehen.
In den kommenden Tagen wird das MOSAIC-Team die Außenstationen vom Eis abbauen, die im Herbst 2019 in bis zu 50 km Entfernung vom damaligen zentralen Forschungscamp aufgebaut worden waren, und danach in dieser Seeregion mit der Tryoshnikov zusammentreffen. Das nächste und letzte Team wird die Expedition dann im Oktober beenden.

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Foto Alessandra D‘Angelo
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Re: Folge der MOSAIC expedition

Beitragvon Jochen » Mo 3. Aug 2020, 10:31

Tag 318 - Sonntag 2. August 2020 - 8.145 km - +2,7°C - Position N79°2‘ W2°44‘ - Quelle

Als wir unsere Scholle verließen, hatten wir eine gemeinsame Verabschiedung und ließen die Zeit an der Scholle Revue passieren. Zudem wurde auch der letzte Wetterballon an der Scholle mitten aus dem Meer aus zerbrochenen Schollen von Bord steigen gelassen. Während wir uns von der Scholle verabschiedeten, breitete Holger Deckelmann einen Wetterballon mit einer Radiosonde für die Routinemessung eines Atmosphärenprofils des Drucks, der Temperatur und Feuchte, sowie der Windgeschwindigkeit und -richtung vor. Die Daten werden auch vom Deutschen Wetterdienst für die Wettervorhersage benutzt. „Ich war sehr erfreut als ich erfuhr, dass die Feierlichkeit auf 13:00 Uhr verschoben worden ist, weil ich genau dann jeden Tag den Wetterballon starte. Das hieß für mich, dass dieses Mal alle beim Start der letzten Radiosondenmessung an der Scholle zusehen würden“.

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Re: Folge der MOSAIC expedition

Beitragvon Jochen » Mo 3. Aug 2020, 16:41

Tag 319 - Montag 3. August 2020 - 8.258 km - +1,2°C - Position N78°36‘ W4°22‘ - Quelle

Die Vorbereitungen auf den kommenden Crew-Austausch und die Versorgung sind an Bord der Polarstern in vollem Gange. Währenddessen ist in Bremerhaven der russische Forschungseisbrecher Akademik Tyroshnikov aufgebrochen, nächstes Ziel: Arktischer Ozean! Obwohl wir, die Teilnehmenden des fünften Abschnitts, im Bremerhavener Quarantäne-Hotel eine gute Zeit hatten, freuen wir uns sehr darauf, unsere Expedition nach mehr als zwei Wochen zu starten. Ein großes Dankeschön geht an das AWI Logistik-Team, das unsere Teilnahme trotz der Corona-Pandemie ermöglicht hat. Es wird uns in Erinnerung bleiben, mit wieviel Engagement sich Eberhard Kohlberg und zahlreiche Kolleginnen und Kollegen sich um uns gekümmert haben. Daher tragen wir ihm auch nicht die zupackende Art und Weise beim Testen nach („mach dir keine Sorgen, da ist nichts, was brechen könnte, und Tränen sind erlaubt“).

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Foto Steffen Graupner
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