Folge der MOSAIC expedition

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Re: Folge der MOSAIC expedition

Beitragvon Jochen » Mi 15. Jul 2020, 23:01

Tag 300 - Mittwoch 15. Juli 2020 - 7.758 km - -0,7°C - Position N81°16‘ E0°19‘ - Quelle

Grüße vom Team „ATMOSPHÄRE“! Wir wollen euch heute den Forschungsschwerpunkt des Teams einmal im Detail vorstellen: Unser ATMOS Team besteht aus 15 Wissenschaftler*innen und wird sich im Vergleich zu vorherigen Teams mehr auf die atmosphärischen Grenzschichten konzentrieren. Einige der Forschenden untersuchen mit unbemannten, autonomen Fluggeräten (UAVs) und Fesselballons die Turbulenz der Atmosphäre, thermodynamische Größen, Aerosole und Wolkeneigenschaften in verschiedenen Höhen. Die Messungen anderer Teammitglieder umfassen atmosphärische Prozesse auf verschiedenen Skalen. Sie beobachten Zirkulationen in der Atmosphäre und Wettergeschehen; Grenzschichten und ihre Aerosoleigenschaften; das Phänomen der bodennahen Wolken; die photochemischen Kreisläufe und Halogenchemie; Transport von Wärme, Impuls und Spurengasen zwischen den Grenzschichten Atmosphäre, Meereis und Ozean und vieles mehr. Das sind ganz schön viele Schwerpunkte – gut, dass das Team mit 15 Personen mit großer woman/man power ans Werk geht.

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Re: Folge der MOSAIC expedition

Beitragvon Jochen » Do 16. Jul 2020, 18:01

Tag 301 - Donnerstag 16. Juli 2020 - 7.764 km - +0,2°C - Position N81°13‘ E0°16‘ - Quelle

Seit Beginn des MOSAIC-Projekts geben die MOSAIC-Teams all ihre Energie und ihren Einsatz, um Daten auf dem Eis zu sammeln und nutzen die kostbare Zeit auf der sich konstant ändernden und dynamisch bewegenden Scholle. Die erfolgreichen Tage auf dem Eis wären allerdings nicht ohne die großartige Zusammenarbeit mit der Decksbesatzung an Bord Polarstern möglich! Sie unterstützen uns in der logistischen Abwicklung all unserer wissenschaftlichen Aktivitäten. Sie fahren zum Beispiel die Winde, um CTDs oder Netzte zu Wasser zu lassen und stehen uns zu Hilfe, wenn wir eine Hand brauchen. Die Besatzung und die Wissenschaftler*innen arbeiten zusammen als Team und alle stehen füreinander ein. „Wir als Besatzung sind ja immer hier, ob mal mehr, mal weniger Wissenschaftler*innen an Bord sind, wir sind eine Familie. Nur mit bestmöglicher Zusammenarbeit kann man das Maximum an Ergebnissen erzielen“, so Bootsmann Andreas Sedlak.

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Beitragvon UliS » Fr 17. Jul 2020, 18:14

Tag 302 - Freitag 17.Juli 2020 - 0,1° Celsius - 7.774 km - Position N81°8 E0°21 - Quelle

Gestern hatten wir erneuten Eisbärbesuch in unserem Wissenschaftscamp. Kur bevor die Gangway für unsere Arbeiten auf dem Eis heruntergelassen wurde, wurde ein Eisbär auf der Backbordseite des Schiffes gesichtet. Der Bär verhielt sich sehr neugierig und versuchte schnüffelnd und mit erhobenem Kopf auf einem großen Eisblock stehend heraus zu finden, was er da vor sich hat. Als er mit der Erkundung des Camps fortfuhr und sich dabei Installationen näherte, die unter Umständen schädlich für den Bären werden könnten – sollte er beginnen unkontrolliert auf dem fremden Material herumzubeißen -, wurde er zu seinem Schutz langsam aus dem Camp vertrieben.

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Re: Folge der MOSAIC expedition

Beitragvon Jochen » Sa 18. Jul 2020, 18:30

Tag 303 - Samstag 18. Juli 2020 - 7.788 km - -0,6°C - Position N81°1‘ E0°22‘ - Quelle

Heute feiert das jetzige MOSAIC-Team an Bord Polarstern den bisherigen Erfolg der Expedition. Das derzeitige Team ist jetzt 78 Tage unterwegs und hat noch etwa einen Monat, bevor sie von dem russischen Eisbrecher Tryoshnikov abgeholt werden und der letzte Austausch von Wissenschaftler*innen stattfinden wird. Zugleich ist das letzte Wissenschaftsteam im Hotel in Bremerhaven angekommen, um sich ihrerseits der zweiwöchigen Quarantäne vor Beginn des letzten Fahrtanschnitts zu unterziehen. Passend dazu ist heute der 302. Tag der insgesamt 389 Tage langen MOSAIC-Expedition - etwa drei Viertel der Expedition sind geleistet!

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Re: Folge der MOSAIC expedition

Beitragvon Jochen » So 19. Jul 2020, 16:28

Tag 304 - Sonntag 19. Juli 2020 - 7.806 km - +0,1°C - Position N80°52‘ W0°12‘ - Quelle

Volunteering ist Teil unseres täglichen Alltags. Ohne das große Engagement der MOSAIC-Teams ATMOS, BGC, ECO, ICE, OCEAN, Logistic, Data und Media wären die wissenschaftlichen Aktivitäten gar nicht möglich. Jeden Tag übernehmen Freiwillige die Eisbärwache auf der Brücke, dem Heck und an unterschiedlichen Positionen auf dem Eis. Um erfolgreich Wissenschaft auf dem Eis zu betreiben, werden helfende Hände benötigt, sei es für die Ballonflüge, das Eiskernbohren, das Vermessen der Schmelztümpel oder das Einfangen der Langleinen. Auch logistische Aufgaben an Bord oder Säuberungsaktionen in Laboren und Lagerräumen werden durch das gesamte MOSAIC-Team unterstützt. Wir sehen uns viel mehr als ein großes Team anstatt acht kleine. Das Geben und Nehmen sind Basis unseres Lebens an Bord! Wir sind froh, dass alles gut klappt und, dass eine anerkennende und willkommene Atmosphäre herrscht, da das arktische Eis unser Zuhause und unser tägliches Leben bedeutet! Großes Dankeschön an alle Teilnehmenden!

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Re: Folge der MOSAIC expedition

Beitragvon Jochen » Mo 20. Jul 2020, 17:25

Tag 305 - Montag 20. Juli 2020 - 7.817 km - -0,1°C - Position N80°47‘ W0°25‘ - Quelle

Wir haben für MOSAIC umfangreiche „Search and Rescue“-Pläne für viele mögliche Unfallszenarien entwickelt. Diese Prozeduren wurden diese Woche in einer Notfallübung trainiert und getestet. Das Szenario, welches für die Übung arrangiert wurde, war der Einbruch einer Person durch das Eis in einem entfernten, unzugänglichen Bereich der Scholle mit daraus folgender lebensbedrohlicher Unterkühlung. Direkt nach dem Notruf über Funk begann die Koordinierung der Rettungsoperation durch die MOSAIC-Leitung von der Brücke: Ein Rettungsteam wurde mit der bereitstehenden Ausrüstung an die Unfallstelle entsandt und begann die Bergung und Rücktransport des Unfallopfers nach den vordefinierten Prozeduren, die für diesen Fall einen strikt horizontalen Transport mit minimaler Bewegung der betroffenen Person erforderten. Trotz der Unzugänglichkeit des Unfallortes war das Unfallopfer 35 Minuten nach Alarmierung im Hospital der Polarstern und in guten Händen des erfahrenen Expeditionsarztes zur professionellen Behandlung der Unterkühlung.

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Re: Folge der MOSAIC expedition

Beitragvon UliS » Di 21. Jul 2020, 18:27

Tag 306 Dienstag 21. Juli 2020 - 7.840km +00°C Position N80°35 W0°37 - Quelle

Während viele Wissenschaftler*Innen ihre Proben und Daten auf dem Eis aufnehmen, verbringen viele andere ihre Zeit in Laboren an Bord. Sie führen Experimente durch und prozessieren ihre Daten vom Eis. Die Wissenschaftler*Innen des ECO-Teams sind mit die aktivsten Benutzer der Laborcontainer an Bord. Oftmals findet man sie hier im Dunkeln mit einer rotleuchtenden Stirnlampe und mehreren Schichten an Klamotten bekleidet. Sie bearbeiten ihre Proben bei 0 bis 1 Grad Celsius und minimaler Beleuchtung. Die kalten Temperaturen imitieren die arktischen Umweltbedingungen und die Dunkelheit verhindert die künstliche Stimulation biologischer Aktivität in den Proben. Mikrobiologe JP Balmonte führt sein Experiment in einem der Labore durch und filtriert Wasser von unter dem Eis, um nachher den Einbau der Kohlenstoff- und Stickstoffisotope in Mikroorganismen größer als 0,2 Mikrometer und deren Genregulation zu untersuchen. Wir sind beeindruckt, wie viele Stunden und welche Ausdauer sie bei ihrer Arbeit an den Tag legen.

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Re: Folge der MOSAIC expedition

Beitragvon Jochen » Mi 22. Jul 2020, 22:56

Tag 307 - Mittwoch 22. Juli 2020 - 7.858 km - +0,8°C - Position N80°26‘ W0°29‘ - Quelle

Wie viele luftgestützte Messinstrumente, vermutet ihr, können parallel in der Luft über unserer MOSAIC-Scholle fliegen? Das MOSAIC-Team kann bei guten Wetterbedingungen fünf luftgestützte Messplattformen fliegen lassen: den Helikopter, die Starrflügel- und Helikopterdrohnen, die Fesselballons "Beluga" und „Miss Piggy“ und die Wetterballons. Die Drohnen und Ballons nehmen atmosphärische Daten auf, um Energiebilanzen, Wolkeneigenschaften, Aerosole und die Dynamik von atmosphärischen Grenzschichten zu untersuchen. Währenddessen vermessen die Instrumente am Helikopter (HELIPOD, EM-Bird, ALS Laser und Kameras) auf größerer Skala die Eisoberfläche unserer Scholle und weiter Umgebung sowie die Gas- und Aerosolkonzentrationen in der Atmosphäre. Um die Plattformen gleichzeitig in der Luft bedienen zu können, ist eine gute und permanente Koordination unter den verschiedenen Gruppen gefordert, sodass sie sich im wahrsten Sinne nicht die Luft nehmen und alle in sicherem Abstand operieren können.

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Re: Folge der MOSAIC expedition

Beitragvon Jochen » Do 23. Jul 2020, 16:52

Tag 308 - Donnerstag 23. Juli 2020 - 7.872 km - -0,8°C - Position N80°20‘ W0°42‘ - Quelle

Miss Piggy ist Zurück auf dem Eis! Die Atmosphärenphysiker Holger Deckelmann und Alexander Schulz brachten den Fesselballon wieder auf die Scholle. Als Alex Miss Piggy aufs Eis brachte, war er sich des besonderen Moments bewusst. Für einen mobileren Aufbau wurde das gesamte Equipment in großen Metallboxen untergebracht, die auf einem Schlitten montiert sind, und auch Winden und Kabel sind darauf aufgebaut, statt wie bislang in zwei ortsfesten Zelten. So ist der Aufbau leichter an mögliche Änderungen der Eisbedingungen anpassbar. Holger ist sehr zufrieden mit dem mobilen Aufbau, da nun die Weiterführung der Messungen möglich ist. Miss Piggy spannt eine Glasfaser vom Boden bis in ein paar Hundert Meter Höhe und misst so kontinuierlich Profile der Temperaturverteilung in der atmosphärischen Grenzschicht, in der all die Austauschprozesse zwischen Oberfläche und Atmosphäre ablaufen.

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Miss Piggy zurück auf dem Eis! Foto Lianna Nixon
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Re: Folge der MOSAIC expedition

Beitragvon Jochen » Fr 24. Jul 2020, 23:21

Tag 309 - Freitag 24. Juli 2020 - 7.898 km - +0,1°C - Position N80°7‘ W0°26‘ - Quelle

Während das aktuelle MOSAIC-Team an Bord und auf der Scholle fleißig ist, bereiten sich etwa 80 wissenschaftliche Fahrtteilnehmende und Polarstern-Crewmitglieder in einem Bremerhavener Hotel auf den fünften (und letzten) Fahrtabschnitt vor. Beim heutigen Abendessen können wir uns erstmal persönlich treffen! Die letzten sechs Tage haben wir in strenger Einzelquarantäne in unseren Hotelzimmern verbracht. Diese kann jetzt aufgehoben werden, nachdem alle zweimal negativ auf COVID-19 getestet wurden (mehr zu den Vorsichtsmaßnahmen steht im App Beitrag vom 13. Mai). Für Bremerhavener und Seestadtbesucher könnte das ebenfalls eine Erleichterung sein, denn einige schienen sich Sorgen um uns gemacht zu haben: An der Hotelrezeption fragten Anrufende nach, ob es uns gut ginge, weil einige sich aus den Fenstern gelehnt hatten, um ein paar Sonnenstrahlen zu erhaschen. Grund zur Sorge gibt es jedoch nicht: Die Hotelcrew kümmert sich hervorragend um uns – herzlichen Dank! Wir freuen uns, das jetzt die Sicherheitseinweisungen und Trainings losgehen, damit wir Anfang August gut vorbereitet Richtung Arktis aufbrechen können.

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