Folge der MOSAIC expedition

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Re: Folge der MOSAIC expedition

Beitragvon UliS » So 5. Jul 2020, 17:50

Tag 290 Sonntag 5. Juli 2020 - 7.627km +0,3°C Position N81°41 E6°6 - Quelle

An Bord Polarstern ist Selbstfürsorge sehr wichtig. Eine Art wie die Wissenschaftler*innen dem nachgehen, ist, sich die Haare schneiden zu lassen. Mikrobiologe JP Balmonte gibt dem physikalischen Ozeanographen Morven Muilwijk einen neuen Haarschnitt. „Endlich fühle ich mich wieder ich selbst, besonders nachdem man auf unserer Expedition so viel arbeitet“, sagt Morven. Diese Momente sind sehr wichtig, um Zeit zum Entspannen zu finden und die Fürsorge zu geben und teilen, während um sie herum der Arbeitsalltag auf der Expedition weiterläuft.

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Re: Folge der MOSAIC expedition

Beitragvon Jochen » Mo 6. Jul 2020, 18:09

Tag 291 - Montag 6. Juli 2020 - 7.643 km - 0,9°C - Position N81°40‘ E5°15‘ - Quelle

Das ICE- und ECO-Team haben die ersten Eiskerne in dem Eisrücken „Jaridge“ gebohrt. Der Rücken besteht aus einjährigem und zweijährigem Meereis. Oben auf dem Eisrücken stehend sehen wir linker Hand das pur weiße, einjährige Meereis und rechts davon das etwas dunklere, zweijährige Meereis. Da zweijähriges Eis dem Schmelzprozess länger standhalten wird als einjähriges Eis, hat Polarstern hier angelegt. Die Wissenschaftler*innen nahmen vier Eiskerne im Eisrücken. Zusätzlich pumpten und beprobten sie Wasser aus den Spalten des Eispakets. Der Rücken ist ungefähr sechs Meter dick und wies eine poröse Struktur an deren Unterseite auf. Nachdem die Eiskerne an der Oberfläche waren, wurden Temperatur und Salzgehalte gemessen. Später an Bord haben die Wissenschaftler*innen dann die Organismen im Eis identifiziert. Die Ergebnisse helfen uns den Einfluss von Eisrücken auf die Funktionalität der arktischen Ökosysteme zu verstehen.

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Re: Folge der MOSAIC expedition

Beitragvon Jochen » Di 7. Jul 2020, 16:52

Tag 292 - Dienstag 7. Juli 2020 - 7.659 km - 0,8°C - Position N81°38‘ E4°26‘ - Quelle

Wusstest Du, dass der arktische Sommer sehr neblig ist? Der Nebel bildet sich durch den Transport warmer Luftmassen nach Norden, der dann auf kalte Meereisoberflächen trifft. Hier kondensiert feuchte Luft über dem kalten Eis und bildet Nebel. Der Nebel kann unsere Helikoptereinsätze und damit auch luftgestützte, wissenschaftliche Messungen verzögern. Seitdem wir mit der Polarstern wieder im Meereis sind, konnten wir jedoch schon an 17 Tagen das Flugwetter nutzen. Nichtsdestotrotz ist Nebel ein sehr interessantes Wetterphänomen, dass die Wissenschaftler*innen über Albedo- und kontinuierliche Atmosphärenmessungen untersuchen. In der Arktis sehen wir auch Nebelbögen. Sie sind wie Regenbögen, die sich durch die Reflektion von Licht in Wassertropfen in der feuchten Luft (hier Nebel) bilden. Die Wassertropfen im Nebel sind viel kleiner als im Regen, was zur Überlagerung der reflektierenden Lichtstrahlen führt und die weiße Farbe im Nebelbogen ausbildet. Ein schönes Bild am arktischen Himmel!

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Re: Folge der MOSAIC expedition

Beitragvon Jochen » Mi 8. Jul 2020, 20:55

Tag 293 - Mittwoch 8. Juli 2020 - 7.685 km - 1,0°C - Position N81°34‘ E2°56‘ - Quelle

Was macht eigentlich unsere Schollendrift? Seitdem wir die Drift an unserer Scholle wieder aufgenommen haben, sind wir zunächst sehr langsam in kreisenden Bewegungen 25 Nautische Meilen nach Osten gedriftet. Diese Kreiselbewegungen wurden hauptsächlich durch die Gezeiten bedingt. Seit Ende Juni wird unsere Drift wieder vermehrt durch die nun vorherrschenden Ostwinde bestimmt und führt uns nun nach Westen. Die Driftgeschwindigkeiten schwanken dabei zwischen weitgehendem Stillstand und knapp 0,7 Knoten. Derzeit befindet sich unsere Scholle in einem Abstand von 75 Nautischen Meilen zur Eiskante südlich von uns. Dort an der Eiskante wird sie irgendwann im Verlauf des Sommers ihren Lebenszyklus beenden, zerfallen und schließlich schmelzen.

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Re: Folge der MOSAIC expedition

Beitragvon Jochen » Do 9. Jul 2020, 17:20

Tag 294 - Donnerstag 9. Juli 2020 - 7.694 km - 0,4°C - Position N81°32‘ E2°34‘ - Quelle

Auch Liyang und Bin, beide Teilnehmer des dritten Fahrtabschnitts, sind vor Kurzem endlich zuhause in Xiamen, China, angekommen. Damit geht auch ihre beinahe sechs Monate lange Forschungsreise zu Ende, zu der sie schon im Januar 2020 aufgebrochen waren. Nachdem sie von Fahrtabschnitt 3 zurück nach Deutschland gekommen waren, verhinderte die Corona-Pandemie zunächst noch für mehr als zwei Wochen ihre weitere Heimreise. Obwohl das AWI-Logistik-Team ihnen mehrfach Flüge organisierte, wurden diese einer nach dem anderen gecancelt. Sogar eine 15-tägige Seereise wurde in Erwägung gezogen, aber sogar diese Option wurde hinfällig, da diese Seereise wegen Corona unterbrochen und vor Ende des Jahres nicht wieder aufgenommen wird. Das AWI-Logistik-Team unternahm jedoch alles Mögliche und so erhielten Liyang und Bin schließlich doch noch ihr Visum von der Grenzpolizei Bremerhaven und die Tickets für den Flug vom Amsterdamer Flughafen. Anfang Juli sind sie nun in Xiamen, China, angekommen – wo nochmals eine 14-tägige Hotel-Quarantäne auf sie wartete. Danach kann Liyang seine Familie wiedersehen – und Bin kann sich um die Vorbereitungen für die Gründung seiner neuen Familie kümmern: Denn ursprünglich hatte er schon im Mai geplant zu heiraten. Das MOSAIC-Team wünscht dem jungen Paar alles Gute!

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Re: Folge der MOSAIC expedition

Beitragvon Jochen » Fr 10. Jul 2020, 17:39

Tag 295 - Freitag 10. Juli 2020 - 7.695 km - 0,9°C - Position N81°31‘ E2°32‘ - Quelle

Von heute bis morgen Mittag machen wir einen 24-stündigen Messmarathon. Das Ziel dabei ist es, eine Momentaufnahme des Tageszyklus im arktischen Sommer aufzuzeichnen. Die Eisoberfläche, der Übergang Eis/Ozean und die Wassersäule bis in eine Tiefe von 350 Meter stehen im Fokus. Wir können die Oberfläche des Meereises analysieren, indem wir Mikrostrukturen im Schnee, die Lichteinstrahlung oberhalb und unterhalb des Meereises sowie Schmelztümpel untersuchen. Im darunterliegenden Ozean werden physikalische Parameter (Turbulenz, Temperatur, Salzgehalt, Fluoreszenz und Sauerstoff) sowie der organische Partikelfluss und die biologische Aktivität der Algen, Zooplankton und Bakterien während eines Tagesgangs aufgezeichnet. Unsere Biogeochemiker sind etwas kleinskaliger dem Methanvorkommen unter dem Meereis auf der Spur. All diese Daten fügen sich im Nachgang zu einem großen Bild über den biogeochemischen und physikalischen Tageszyklus im arktischen Sommer zusammen.

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Re: Folge der MOSAIC expedition

Beitragvon UliS » Sa 11. Jul 2020, 18:34

Tag 296 Samstag 11. Juli 2020 - 7.719km +0,3°C Position N81°26 E1°21 - Quelle

Monate vor Ablegen der Polarstern werden die Planungen der Lebensmittel gemacht. Um die Frische der Waren so lange wie möglich zu garantieren, werden hauptsächlich die haltbaren Sorten von Obst und Gemüse eingekauft. Die Menüs werden später an Bord zusammengestellt. Auf der Polarstern haben wir mehrere auf minus 5 und minus 20 Grad Celsius gekühlte Kühlräume, die sogenannten Kühllasten. Es gibt eine Milchlast, Gemüselast und Trockenproviantlast für zum Beispiel Nudeln und Mehl. Speziell für MOSAIC gibt es einem Notfallcontainer mit Tiefkühlwaren für den Fall, dass sich eine Versorgung verschiebt. Wir können sicher sein, dass es immer genug Essen an Bord gibt. Den nächsten Frischenachschub bekommen wir im August mit dem russischen Eisbrecher Tryoshnikov. Frische, schnell verderbliche Lebensmittel wie Blattsalate und Gurken werden zuerst serviert. Als frische Salate haben wir zurzeit Rot- und Weißkohlsalat sowie Orangen und Äpfel als Obst und von den 10.800 Eiern haben wir gerade mal 3.800 konsumiert.

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Re: Folge der MOSAIC expedition

Beitragvon Jochen » So 12. Jul 2020, 16:47

Tag 297 - Sonntag 12. Juli 2020 - 7.735 km - -0,6°C - Position N81°26‘ E0°25‘ - Quelle

Die Wissenschaftlerin Katy Shoemaker untersucht kleine Organismen bis 150 Mikrometer Größe aus einem Netz, dass das ECO-Team in den oberen 200 Metern Wassertiefe einfängt. Die Netze werden mit Hilfe der Winde auf der Polarstern in den Ozean herunter gelassen. Nach der Probenahme siebt das ECO-Team den Fang und beginnt ihn zu sortieren, kategorisieren und zu identifizieren. Um die Organismen genauer betrachten zu können, platziert Katy die Organismen auf einer Petrischale mit Salzwasser und betrachtet sie unter dem Mikroskop. Sie kann mit einer Kamera am Mikroskop detaillierte Bilder ihrer Beobachtungen machen. Hier guckt sie sich kleine Flohkrebse an, die global in aquatischen Milieus verbreitet sind. Weltweit gibt es über 9.900 beschriebene Flusskrebsarten. Das ECO-Team hängt die Netze zweimal pro Woche ins Wasser und sammelt Proben der Organismen, die fundamental für das Nahrungsnetz des Arktischen Ozeans sind.

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Re: Folge der MOSAIC expedition

Beitragvon Jochen » Mo 13. Jul 2020, 18:15

Tag 298 - Montag 13. Juli 2020 - 7.741 km - +0,2°C - Position N81°24‘ E0°16‘ - Quelle

Gestrige Eisbewegungen brachten unsere stabile Position von den letzten Tagen in Bewegung: Um Mitternacht bekamen wir plötzlich starken Eisdruck ans Heck des Schiffs. Polarstern verschob sich um 150 m entlang unserer Scholle. Schnell haben wir die Messanlagen heruntergefahren und die Stromkabel von Bord an „Land“ getrennt. Bei den dynamischen Eisbewegungen hat sich eine Scholle unter dem Heck am Ruderblatt verkantet. Durch den Druckaufbau kam es zu einer Hydraulikleckage an einer der Ruderanlagen. Der austretende Ölnebel löste einen Feueralarm auf der Brücke aus. Noch in der Nacht wurde die Ruderpumpe repariert. Unsere Scholle selbst hat während der Verschiebung des Schiffs keinen Schaden genommen. Um wieder zentral am Forschungscamp zu liegen, sind wir in einem kleinen Törn zurück zur ursprünglichen Position gefahren. Das Manöver verlief glatt,, wir sind an unserer alten Position und unsere Messgeräte auf dem Eis sind seit gestern Abend wieder mit Strom versorgt. Restliche Eisarbeiten wurden für gestern ausgesetzt.

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Re: Folge der MOSAIC expedition

Beitragvon Jochen » Di 14. Jul 2020, 18:20

Tag 299 - Dienstag 14. Juli 2020 - 7.747 km - -1,3°C - Position N81°22‘ E0°15‘ - Quelle

Wie man schnell zum Polarforscher wird? Genau das hat Felix Linhardt vor Kurzem erlebt. Als studierter Messtechniker und jetziger Doktorand der Fernerkundung wurde er kurzerhand durch die Coronavirus-bedingten Planänderungen der Expedition als ursprünglich 3. Kandidat auf die große MOSAIC-Expedition geschickt. „Mit dem Anruf zwei Wochen vor Quarantänestart, bin ich im wahrsten Sinne des Wortes ins arktische, kalte Wasser geworfen worden. Es ist schon ein ziemlicher Jumpstart in die größte Arktisexpedition hineingefallen zu sein. Natürlich ist es aber auch schön, die Instrumente die ich entwickelt habe, jetzt selbst bedienen zu dürfen! Ausgerüstet mit neuentwickelten verschiedenen Spektrometern übernimmt er die Vermessungen der Schmelztümpel auf dem Meereis. ER misst die Tiefe und die Rückstreuung des Lichts von Schmelztümpeln. Jeden Tag ist er auf dem Eis, um das stetige Wachsen der Tümpel zu dokumentieren und lernt dabei was es heißt ein echter Polarforscher zu sein!

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