Folge der MOSAIC expedition

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Re: Folge der MOSAIC expedition

Beitragvon UliS » Fr 27. Dez 2019, 18:25

Tag 99 Freitag 27. Dez. 2019 - 4.321km - Temperatur -30,3°C - Position N86°40 €115°55

Obwohl wir dichter am Nordpol als an jeder menschlichen Siedlung sind, können wir durchaus Kontakt nach Hause halten. Am beliebtesten, weil am leichtesten zugänglich, ist WhatsApp: Über das Bord-WLAN kann jeder Textnachrichten verschicken und erhalten, nur Anhänge wie Bilder, Audios oder Videos nicht möglich. Für Letztere reicht die Datenübertragungskapazität per Satellit nicht aus.

Das ist auch der Grund dafür, dass die Größe von E-Mails eingeschränkt ist, so dass wir über die extra eingerichteten Polarstern-E-Mail Accounts lediglich Nachrichten mit weniger als 50 kb verschicken können – was in der Realität hier ebenfalls eine Beschränkung auf Textnachrichten bedeutet.

Es ist auch möglich, über das Iridium-Satelliten-Kommunikationssystem zu telefonieren, wofür wir zwei „Telefonzellen“ an Bord haben, für die man sich Guthabenkarten einkaufen und „abtelefonieren“ kann. Die Satellitentelefonie verlangt Geduld: Fällt man dem anderen ins Wort, kann keiner der beiden mehr etwas verstehen. Das ist für funkerfahrene Seeleute weniger eine Herausforderung als für die Wissenschaftler: Insgesamt eine gute Übung für alle, anderen zuzuhören und sie ausreden zu lassen …

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Re: Folge der MOSAIC expedition

Beitragvon Eva » Fr 27. Dez 2019, 21:00

Wie sich die Zeiten ändern: vor nicht mal 100 Jahren, war so eine Expedition unmöglich, geschweige denn, Verbindung mit der Außenwelt!
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Re: Folge der MOSAIC expedition

Beitragvon UliS » Sa 28. Dez 2019, 17:34

Tag 100 Samstag 28. Dez. 2019 - 4.323km - Temperatur -29,9°C - Position N86°40 E115°41

Auf der Polarstern nutzen wir mehrere Radaranlagen, um andere Schiffe oder Hindernisse zu erkennen. Bei Fahrten durch das Packeis wissen wir dank solcher Systeme, wo Fahrtrinnen sind oder stark deformiertes Packeis.

Auch während der MOSAIC-Drift werden diese Anlagen nicht abgeschaltet. So erhalten wir Informationen über Schollenbewegungen, Deformation und Bildung von Eisrinnen im direkten Schiffsumfeld. Das Eis ist noch sehr dünn und daher sehr dynamisch. Starke Winde haben in den vergangenen Wochen immer wieder dazu geführt, dass sich große Spalten oder Eisrücken als Folge der Eisdynamik im direkten Schiffsumfeld gebildet haben.

Das Radarsystem besteht aus rotierenden Antennen, die auf dem Peildeck über der Brücke angebracht sind. Sie senden in kurzen Abständen Mikrowellenpulse aus, die vom Wasser oder Packeis reflektiert und dann von der Radaranlage des Schiffes erfasst werden. So entsteht ein Bild, das im Umkreis von 3 nautischen Meilen (circa 5,4 Kilometer) Lage und Größe von Eisschollen relativ zum Schiff erfasst.

Täglich aktualisierte Videosequenzen gibt es ab sofort hier -> Meereisportal

Wie findet Eisbär Bert sein neues zu Hause??


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Re: Folge der MOSAIC expedition

Beitragvon UliS » So 29. Dez 2019, 19:15

Tag 101 Sonntag 29. Dez. 2019 - 4.327 km - Temperatur -29,4° C - Position N 86°38 E115°55

Der Unterwasserroboter namens BEAST des Meereisteams wartet darauf, wieder unter dem Eis eingesetzt zu werden, nachdem er wegen eines Risses in der Nähe seines Einsatzortes an Bord geholt wurde.

AWI Meereisforscher Christian Katlein nutzt die Zeit für Wartungsarbeiten im Nasslabor der Polarstern an diesem ferngesteuerten Gerät (remotely operated vehicle - ROV), die unter anderem Folgendes beinhalten: Neupositionierung, Fixierung oder Neuanbringen von LED-Lampen und einer Kamera, Installation einer CTD-Einheit [Sensoren um die Leitfähigkeit (Conductivity), Temperatur und Tiefe (Depth) zu messen] und den Austausch einer Zinkanode.

Anschliessend hat das BEAST noch eine Schönheitskur bekommen, indem Christian ein paar Gebrauchsspuren durch die eisige Umgebung wie Schrammen und Beulen aufgefüllt und anschliessend schwarz übermalt hat.

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Re: Folge der MOSAIC expedition

Beitragvon UliS » Mo 30. Dez 2019, 19:16

Tag 102 Montag 30. Dez. 2019 - 4.337km - Temperatur -27,3°C - Position N86°35 E117°8 - Quelle

Das Arbeiten auf der Scholle, wie hier das Neuplatzieren eines Instruments für die Fernerkundung, sieht schon auf den ersten Blick anstrengend aus. Es gibt jedoch weitere, schwieriger zu erkennende Herausforderungen, um in der lebensfeindlichen arktischen Umgebung draußen agieren zu können. So weiß unser Logistik-Team jederzeit, wo die verschiedenen Gruppen auf der Scholle arbeiten und wie sie im Bedarfsfall sicher zur Polarstern zurückkommen können, wenn beispielsweise sich verschlechternde Sichtbedingungen die Bärenwache zu behindern drohen.

Über ein online Exkursions-Logbuch tragen sich alle Gruppen ein, bevor sie aufs Eis gehen, und später wieder aus. Vergisst das jemand oder ist tatsächlich nicht rechtzeitig zurück, ertönt ein Alarmsignal. Zusätzlich führt die Crew direkt an der Gangway Buch darüber, wer das Schiff verläßt und wieder betritt, so dass wir doppelt checken können, dass jeder wieder an Bord ist. Außerdem stehen die professionellen Bärenwächter auf dem Eis und auf der Brücke mit allen Teams draußen in Kontakt: per Funkgerät oder auch mithilfe anderer Kommunikationsinstrumente, wenn Expeditionen weiter wegführen.

Das Logistik-Team kümmert sich auch um die Wartung der Schneemobile und die Bereitstellung von Kraftstoff usw. Und schon vor Monaten hat die Logistik-Abteilung des Alfred-Wegener-Instituts die Sicherheitsbekleidung für Arbeiten auf dem Eis organisiert. Der rote Anzug bietet Auftrieb für den Fall, dass jemand mit dem Wasser in Kontakt kommt, und er hält uns warm – bei schwerer körperlicher Arbeit manchmal sogar etwas zu sehr …

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Re: Folge der MOSAIC expedition

Beitragvon UliS » Di 31. Dez 2019, 18:05

Tag 103 Dienstag 31. Dezember 2019 - 4.345km - Temperatur -32,6 - Position N86°36 E117°56 - Quelle

Die Polarstern-Crew führt wöchentlich eine Sicherheitsübung durch. Diese beginnt mit dem beängstigenden Schiffsalarm und der Löschtrupp macht sich auf den Weg.

Glücklicherweise werden die wissenschaftlichen Fahrtteilnehmenden darüber vorab informiert und niemand muss Angst bekommen. Bei der ersten Sicherheitsübung unseres MOSAIC Abschnitts 2 simulierte der Kapitän eine Situation, bei der das Schiff aufgegeben werden musste. Zu diesem Zweck beinhalten die Sicherheitspläne den Einsatz der Rettungsboote. Auch wenn diese in unserer eisigen Umgebung nicht schwimmen, bieten sie im Notfall einen sicheren, gut ausgerüsteten Schutz. Daher läßt die Besatzung während der Übung die Rettungsboote herunter und zieht von der Polarstern weg, um sie neben dem Schiff auf dem Eis abzusetzen.

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Re: Folge der MOSAIC expedition

Beitragvon UliS » Mi 1. Jan 2020, 18:03

Tag 104 Mittwoch 1. Jan. 2020 - 4.348km - Temperatur -30,2°C - Position N86°37 E118°3 - Quelle

Ein frohes Neues Jahr 2020 aus der Zentralarktis an alle MOSAIC-Follower! Wir sind uns ziemlich sicher, dass wir die nördlichste Silvesterparty der Welt hatten, als wir die neue Dekade bei 86°38.25’N118°04.06’E auf der Brücke der Polarstern begrüßten. Julia Wenzel vom Deutschen Wetterdienst (DWD) hatte die Ehre, das Schiffshorn um Mitternacht erschallen zu lassen.

Viele Wissenschaftler und Crewmitglieder hatten gemeinsam die letzten Sekunden heruntergezählt und anschließend mit einem Glas Sekt oder O-Saft auf das neue Jahr angestoßen - eine absolute Ausnahme vom ansonsten strengen Alkoholverbot, das auf der Brücke herrscht.

Vor Mitternacht hatten wir ein gemeinsames Abendessen im großen Nasslabor mit Spanferkel und vielen anderen Leckereien, die die Köche gezaubert hatten. Dieses Labor war auch der „Tanzsaal“ nach dem Anstoßen auf der Brücke – insgesamt ein großartiger Start ins neue Jahr!

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Re: Folge der MOSAIC expedition

Beitragvon UliS » Do 2. Jan 2020, 18:22

Tag 105 Donnerstag 2. Jan. 2020 - 4.374km - Temperatur -25,1°C - Position N86°50 E116°22 - Quelle

Nach einem zweiwöchigen Transit mit starkem Schneefall, erreichten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des ersten MOSAIC-Fahrtabschnittes nun den Hafen von Tromsö an Bord der Kaptan Dranitsyn.

Vor der Ankunft konnten sie nach 2,5 Monaten Dunkelheit den ersten Lichtstrahl sehen.

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Re: Folge der MOSAIC expedition

Beitragvon UliS » Fr 3. Jan 2020, 18:43

Tag 106 Freitag 3. Jan. 2020 - 4.385 - Temperatur -28,2°C - Position N 86°55 E115°40 - Quelle

Das Team Data unterstützt alle Forschenden bezüglich des wichtigsten Outputs von MOSAIC: Daten.

Heidi Turpeinen und Johannes Pliet helfen beispielsweise dabei, alle wissenschaftlichen Messgeräte auf speziellen Datenspeicher- und –Management-Plattformen (SENSOR, Actionlog und Zentraler MOSAIC-Speicher) zu registrieren.

Hier wird jede Messung aufgezeichnet und gespeichert und die Daten stehen so der Wissenschaft auf der ganzen Welt langfristig zur Verfügung. Heidi und Johannes helfen den Forschenden auch beim Gebrauch des sogenannten Floe-Navis: ein Gerät, das es erlaubt, Positionsdaten direkt auf dem Eis aufzuzeichnen.

Die beiden sind außerdem verantwortlich für die Kabel und das Richtfunknetzwerk, welche die Messstationen mit dem Schiff verbinden. Daher kann man sie nicht nur in ihrem Büro, sondern auch draußen auf der Scholle treffen.

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Re: Folge der MOSAIC expedition

Beitragvon UliS » Sa 4. Jan 2020, 19:22

Tag 107 Samstag 4. Januar 2020 - 4.396km - Temperatur -26,3°C - Position N87°1 E115°22 - Quellle

Neben den Menschen leiden auch unsere Instrumente unter den kalten Temperaturen (Ende Dezember unter -30°C), wie Arttu Jutila vom Meereis-Team berichtet: Wie auch die Helikopter-Crew selbst gab der beim Messflug eingesetzte Laserscanner (ALS:airborne laser scanner) nach der Rückkehr von Team ICE zur Polarstern eine Kältewarnung ab. Denn die Temperatur des ALS war auf -12°C gesunken (Betriebstemperatur >-10°C).

Um uns auf weitere Flüge vorzubereiten, hat Team ICE für diesen Fahrtabschnitt entschieden, ein kleines 20 –Watt-Heizkissen für den Laserscanner zu installieren. Dank unseres geschickten Helikopter-Mechanikers Victor Santos war diese Installation schnell getan – noch bevor am kommenden Morgen der nächste Flug startete.

Diesmal ging es zu den drei sogenannten L-Sites, den Messstationen im weit um die Polarstern drifteten Stationennetzwerks. Dieser Flug galt der ersten Vermessung dieser weiter entfernten Messstationen seit Anfang Dezember. Das Team brachte wertvolle Daten über die Beschaffenheit der Eisoberfläche und über neue Risse unterschiedlicher Größe mit: d.h. Daten, welche die Eisdynamik im weiteren Umfeld unserer Scholle erfassen.

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