Folge der MOSAIC expedition

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Re: Folge der MOSAIC expedition

Beitragvon UliS » Do 19. Dez 2019, 17:52

Tag 91 Donnerstag 19. Dez. 2019 - 4.287km - Temperatur -22,5°C - Position N86°40 €112°54

Gestern um 14:30 Schiffszeit (12:30 deutscher Zeit) hat der russische Versorgungseisbrecher Kaptan Danitsyn die Scholle verlassen. In enger Zusammenarbeit mit unseren Kollegen von Abschnitt 1 haben wir fünf Tage mit Versorgung und Transport sowie Übergabe verbracht – und jetzt sind wir auf uns allein gestellt.

Wir sind dankbar für die großartige Arbeit unserer Vorgänger und ihre herzlichen Wünsche („achtet auf euch – und die Scholle“). Und es hat sich prima angefühlt, sie in den ersten Tagen hier um uns zu haben. Aber jetzt sind wir bereit, die Aufgaben zu übernehmen: die Messungen und Probennahmen sowie das Instandhalten oder Neuanlegen von Wegen, Strom- und Datenkabeln. Wir werden vieles als „training on the job“ durchführen, denn wir lernen im laufenden Betrieb. So war beispielsweise das Ice-Team ganz heiß darauf, so schnell wie möglich die notwendige Einweisung in die Schneemobile und einen Auffrischungskurs in der Waffenhandhabung zu bekommen.

Jetzt können die Teammitglieder zur ROV Station fahren, ohne das Logistikteam zu belasten. Die Station ist nämlich von aktuellen Rissen im Eis besonders betroffen, die vermutlich durch unsere Anreise per Eisbrecher entstanden sind. Daher haben wir den dort beheimateten Unterwasserroboter erst einmal auf die Polarstation zurückgebracht. Eine weitere Inspektion des Ortes hätte beinahe dazu geführt, dass das Einsatzteam die Abreise der Dranitsyn komplett verpasst hätte. Letztere war ein emotionales aber durchaus positives Gefühl: Das zweite MOSAIC-Team hat übernommen.

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Re: Folge der MOSAIC expedition

Beitragvon UliS » Sa 21. Dez 2019, 13:42

Tag 92 20. Dez. 2019 - 4.289km - Temperatur -25,7°C - Position N86°40 E112°35

Nansen ist bei seiner FRAM Expedition vor 126 Jahren die Leine ausgegangen, mit der er die Wassertiefe ausloten wollte. Er hatte nicht damit gerechnet, dass der Arktische Ozean mehr als 2000 Meter tief ist.

Heute können wir hier an Bord jederzeit bequem einen Blick auf die Wassertiefe werfen, denn Echolote registrieren sie laufend. Auf unserer derzeitigen Position bei 86°40,73’N znd 112°38,76’E befinden wir uns beispielweise 4.415,43 Meter über dem Meeresgrund. Ein sogenanntes Multifrequenzlot liefert die Daten. Es sendet Schall aus, der am Meeresgrund reflektiert und dann vom Gerät wieder empfangen wird. Aus der Dauer zwischen Senden und Empfangen, also der Laufzeit des Schalls, berechnet sich die Wassertiefe: je länger der Schall benötigt, desto tiefer ist das Wasser.

Zusätzlich misst das Gerät mit anderen Frequenzen, was sich im Wasser befindet, denn auch alles was dort herumschwimmt, reflektiert den Schall. So kann das geübte Auge beispielsweise Fische von Krill unterscheiden, oder aus den Mustern sogar Rückschlüsse auf die Art ziehen, die unter der Polarstern schwimmt.

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Re: Folge der MOSAIC expedition

Beitragvon UliS » Sa 21. Dez 2019, 19:58

Tag 93 Samstag 21. Dez. 2019 - 4.291km - Temperatur -21,4°C - Position N86°41 E112°24

Heute ist auf der Nordhemisphäre der kürzeste Tag des Jahres: Wintersonnenwende!

Ein wichtiger Feiertag, obwohl es für uns hier nahe dem Nordpol in der Polarnacht nicht wirklich einen Unterschied macht, ob die Tage länger werden – wie Nansen vor 125 Jahren in seinem Tagebuch berichtet hat.

Trotzdem möchten wir an diesem Tag die besten Wünsche an unsere Kollegen an der Neumayer-Station III des Alfred-Wegner-Instituts in der Antarktis senden. Sie haben derzeit Polartag, erleben heute den längsten Tag des Jahres und die Tageslänge nimmt dort jetzt wieder ab.

Außerdem grüßen wir alle Polarforscher und –entdecker rund um die Welt. Wir hoffen sie finden etwas Zeit, um Mittsommer beziehungsweise Mittwinter zu genießen.

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Re: Folge der MOSAIC expedition

Beitragvon UliS » Sa 21. Dez 2019, 20:07

Heiligabend wird multikulturell - Quelle
Weihnachten feiern an Bord der „Polarstern“ - mit Kartoffelsalat und Würstchen
Janet Binder 20.12.2019

Auf vieles müssen die Forscher während der Arktis-Expedition „Mosaic“ verzichten – nicht aber auf einen Klassiker: Heiligabend gibt es Kartoffelsalat und Bockwurst.

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Wissenschaftler der "Mosaic" Expedition der Polarstern stehen auf dem Eis in der Arktis. (--/Alfred-Wegener-Institut/dpa)

Hoch im Norden mag es unwirtlich sein, mit Temperaturen von derzeit etwa minus 30 Grad und ständiger Dunkelheit. Doch an Bord des Forschungsschiffes „Polarstern“, das umschlossen von Eis durch die zentrale Arktis driftet, geht es durchaus auch mal gemütlich zu. Mit Weihnachtsdeko und Gebäck wird die Adventszeit zelebriert. „Seeleute sind sentimental - auch wenn sie es nicht so zeigen“, schreibt Kapitän Stefan Schwarze per E-Mail an die Deutsche Presse-Agentur. Alle Aufenthaltsräume seien geschmückt. „Das ist Tradition. Und Traditionen halten sich in der Seefahrt, selbst wenn sie woanders längst ausgestorben sind.“

Deshalb serviert die Küche Heiligabend auch einen deutschen Klassiker: Kartoffelsalat mit Würstchen. Gefeiert wird am 24. Dezember im Blauen Salon, der guten Stube des Schiffes. Dort steht auch ein Weihnachtsbaum - aus Plastik. „Die heutigen künstlichen Tannen sind von den echten kaum noch zu unterscheiden“, so Schwarze. Jeder bekomme einen bunten Teller und eine Kleinigkeit geschenkt. Auch Weihnachtslieder werden gesungen. „Die internationalen Teilnehmer bringen ihre Weihnachtsbräuche ein, sodass am Ende ein multikultureller Abend dabei herauskommt.“

Auch Silvester wird gefeiert, sogar mit Alkohol - aber in Maßen, wie Schwarze betont. Feuerwerksraketen werden nicht abgeschossen. „Dafür wird die ganze Nacht getanzt.“ Um Mitternacht treffen sich alle auf der Schiffsbrücke, um das neue Jahr akustisch mit dem Schiffshorn zu begrüßen.

Damit die Forscher in der im Winter eigentlich unzugänglichen zentralen Arktis Messwerte nehmen können, driftet die „Polarstern“ vom Meereis umschlossen ohne eigenen Antrieb über den Pol. An Bord sind jeweils rund 100 Wissenschaftler, Techniker und Seeleute. Erst kürzlich gab es einen ersten Schichtwechsel. Ein Versorgungsschiff brachte neue Crew-Mitglieder, zudem Lebensmittel, Ersatzteile und wissenschaftliche Ausrüstung. Ziel der einjährigen Expedition ist es, die Auswirkungen des Klimawandels genauer verstehen zu können: Die Arktis gilt als Frühwarnsystem für Veränderungen des Erdklimas.

Versorgungsschiff liefert Weihnachtspost

Mitgebracht hat das Versorgungsschiff „Kapitan Dranitsyn“ auch Weihnachtspost. Die Wissenschaftler und Seeleute stehen mit ihren Angehörigen sonst sporadisch per E-Mail in Verbindung. Ab und zu stellt ihnen der Funker zudem eine Telefonverbindung her. „Letzteres wird sicherlich zu Weihnachten von vielen genutzt, so dass es einen ordentlichen Andrang geben wird“, schreibt Schwarze.

An den Feiertagen wird zudem ordentlich geschlemmt: „Ich habe es noch nicht anders erlebt, als dass die Köche die Gelegenheit nutzen, um über sich hinauszuwachsen“, erzählt der Kapitän, der regelmäßig mit der „Polarstern“ des Bremerhavener Alfred-Wegener-Instituts (AWI) unterwegs ist.

Ein paar Tage später trifft sich dann der „Wiegeclub“ im Blauen Salon, um die Gewichtszunahmen zu erfassen. Auch der Club hat bereits Tradition an Bord.
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Re: Folge der MOSAIC expedition

Beitragvon UliS » Mo 23. Dez 2019, 13:29

Tag 94 Sonntag 22. Dez. 2019 - 4.294km - Temperatur -27,6°C - Position N86°40 E 112°38

Kurz vor den Feiertagen hat uns Bundesforschungsministerin Anja Karlizek eine Grußbotschaft an Bord geschickt:

[url=https://abload.de/image.php?img=anjantjr7.jpg]Bild[/url]
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Re: Folge der MOSAIC expedition

Beitragvon Anita » Mo 23. Dez 2019, 16:33

Alles Gute für das weitere Gelingen der Expedition [prima]
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Re: Folge der MOSAIC expedition

Beitragvon UliS » Mo 23. Dez 2019, 19:01

Tag 95 Montag 23. Dez. 2019 - 4.299km - Temperatur -26,2°C - Position N86°38 E113°11

Der russische Versorgungseinbrecher Kapitan Dranitsyn ist weiterhin auf dem Heimweg von der Eisscholle zurück nach Tromso mit Crew und Wissenschaftlern von MOSAIC Abschnitt 1. Das Schiff war am 18. Dezember hier gestartet.

Als wir Teilnehmenden von Abschnitt 2 mit der Dranitsyn von Tromso zur Polarstern gefahren sind, dauerte die Reise 10 Tage. Dabei ist das Schiff mit durchschnittlich acht Knoten durch 30 bis 40 Zentimeter dickes Eis nahe der Meereiskante gefahren, jedoch reduzierte sich seine Geschwindigkeit während der letzten zwei Tage in der nördlichsten Region auf weniger als zwei Knoten. Sowohl auf dem Weg gen Norden als auch auf der Reise nach Süden haben wir in internationalen Gewässern kontinuierlich Eisdicken am Bug der Dranitsyn mit einem elektromagnetischen Eisdickenmessgerät (Sea Ice Monitoring System – SIMS) aufgezeichnet. Wir konnten sehen, dass sie 80 bis 120 Zentimeter dickes Eis mit einer Geschwindigkeit von vier bis sechs Knoten durchfahren konnte, jedoch fast immer stecken geblieben ist und sich den Weg freirammen musste, wenn das Eis dicker als zwei Meter war.

Solch dickes Eis tritt häufig bei Presseisrücken auf, bei denen sich mehrere Schollen übereinander getürmt oder Eisblöcke sich auf oder unter dem Eis zusammengeschoben haben.

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Re: Folge der MOSAIC expedition

Beitragvon UliS » Di 24. Dez 2019, 19:24

Tag 96 Dienstag 24. Dez. 2019 - 4.305km - Temperatur -26,0°C - Position N86°37 €114°5

Vermutlich sind wir die Menschen, die das diesjährige Weihnachtsfest am nächsten zum Zuhause des Weihnachtsmanns verbringen, wenn er denn tatsächlich am Nordpol wohnt?

Wir wollen uns aber nicht allein auf ihn verlassen, sondern haben selber eine Menge Geschenke mitgebracht. Viele haben persönliche Geschenke von Familie und Freunden dabei, die teilweise bereits seit dem Beladen der Polarstern im Juli in Bremerhaven an Bord sind.

Zusätzlich ist Weihnachten eine tolle Gelegenheit für die wissenschaftlichen Fahrtteilnehmenden, sich bei der Polarstern-Crew für ihre tolle Unterstützung und die klasse Zusammenarbeit zu bedanken. Zu diesem Zweck haben die wissenschaftlichen Teilnehmenden jeweils zwei kleine Geschenke besorgt, die dann bei einem Wichteln an Crew und Wissenschaft verteilt werden.

Und wir sind guter Dinge, dass auch der Weihnachtsmann bei unserer Bescherung vorbeischaut.

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Re: Folge der MOSAIC expedition

Beitragvon UliS » Mi 25. Dez 2019, 17:32

Tag 97 Mittwoch 25. Dez. 2019 - 4.312km - Temperatur -25,6°C - Position N86°37 E114°4

In Deutschland beginnen die Menschen Weihnachten mit der Bescherung an Heiligabend zu feiern, anders als in manch anderem Land. Wir handhaben es ebenso.

Nach einem klassischen norddeutschen Abendessen für diesen Tag (Kartoffelsalat mit Bockwurst), haben sich alle das Schickste angezogen, das sie mit an Bord haben – der eine oder die andere beneidet dabei die Offiziere, die nicht darüber nachdenken müssen, was sie anziehen, sondern einfach in ihre Uniform schlüpfen. So zurechtgemacht haben wir uns im Blauen Salon getroffen, der guten Stube der Polarstern, wo sonst beispielsweise Empfänge für Minister stattfinden.

Kapitän Stefan Schwarze hat eine festliche Rede gehalten, in der er auf unsere besondere Situation eingegangen ist, auf Expedition fern der Heimat zu feiern … Gleichzeitig sorgte er dafür, dass wir uns in unserer Polarstern-Familie willkommen fühlten – der bestmöglichen Alternative zu Familie und Freunden.

Zum Abschluss seiner Rede las er aus Fridtjof Nansens „In Nacht und Eis“ die Passage vor, wo dieser mit seinen Kameraden mit der „FRAM“ driftend 1893 Weihnachten feierte. Anschließend richtete Fahrleiter Christian Haas sich ebenfalls mit einer feierlichen Ansprache an die MOSAIC-Gemeinschaft, und dann gab es ein großes Wichteln, wie im gestrigen App-Beitrag angekündigt.

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Re: Folge der MOSAIC expedition

Beitragvon UliS » Do 26. Dez 2019, 18:32

Tag 98 Donnerstag 26. Dez. 2019 - 4.318km - Temperatur -23,3°C - Position N86°39 E115°56

Während daheim die meisten Menschen Weihnachten feiern beziehungsweise wenigstens frei haben, muss bei uns der Bordbetrieb natürlich weitergehen. Maschinist Eckard (Ecki) Krösche arbeitet beispielsweise im Maschinenraum und kümmert sich darum, dass Strom- und Wasserversorgung laufen, aber auch um die Abwasser- und Müllentsorgung und auch um unsere Heizung und die Klimaanlage.

Ebenso wie die Polarstern-Crew an Deck und auf der Brücke arbeiten alle im Maschinenraum im Schichtbetrieb in drei Wachen. Jeder Wachgänger ist zweimal vier Stunden pro Tag im Dienst: jeweils einmal morgens beziehungsweise vormittags und abends / nachts von 0:00 bis 4:00 Uhr, und von 4:00 bis 8:00 oder von 8:00 bis 12:00 Uhr.

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