Folge der MOSAIC expedition

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Re: Folge der MOSAIC expedition

Beitragvon Jochen » Fr 25. Sep 2020, 15:42

Tag 370 Mittwoch 23. September 2020 - 11.195 km - -0,7 °C - Position N85°57‘ E76°10‘ - Quelle

Eine Standard-Zeitserie auf der Polarstern ist das Ballonsondierungsprogramm. Die Wetterballone messen Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Windrichtung und -geschwindigkeit sowie Höhe und Entfernung vom Schiff. Sie steigen bis zu über 35 Kilometer Höhe auf und senden währenddessen ihre Daten zurück an Bord. Normalerweise findet alle sechs Stunden ein solcher Ballonaufstieg statt, aber zu bestimmten Gelegenheiten erhöht Team Atmo die Häufigkeit, wie beispielsweise letzte Nacht, als ein Sturmtief mit über 8 Beaufort Windstärke über uns hinweg zog. Die Ballone sind außerdem eine prima Projektionsfläche für Grüße in die Heimat, beispielsweise, wenn jemand einen Geburtstag verpasst.

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Re: Folge der MOSAIC expedition

Beitragvon Jochen » Fr 25. Sep 2020, 16:54

Tag 371 Donnerstag 24. September 2020 - 11.332 km - -1,6 °C - Position N86°2‘ E59°34‘ - Quelle

Während unserer letzten Woche an der Scholle hat sich an der Backbordseite neben der Polarstern das Eis geöffnet, sodass eine freie Wasserfläche entstanden ist. Eine gute Gelegenheit für die Teams Atmo und Ocean, neue Messungen durchzuführen. Sie haben ihre Kammer zur Bestimmung von Gasflüssen zwischen dem (hier offenen) Ozean und der Atmosphäre sowie der VMP (vertikale Mikrostruktursonde) zur Erfassung der physikalischen Parameter eingesetzt. Um verschiedene Stellen zu erreichen (beispielsweise die Eiskante oder offenes Wasser), haben sie ein Schlauchboot genutzt: Ein abwechslungsreicher Ausflug von der Polarstern aus.

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Re: Folge der MOSAIC expedition

Beitragvon Jochen » Fr 25. Sep 2020, 17:07

Tag 372 Freitag 25. September 2020 - 11.432 km - -1,8 °C - Position N85°57‘ E48°20‘ - Quelle

MOSAIC-Leiter Markus Rex ist gestern mit dem SeasDevCon Maritime Award 2020 ausgezeichnet worden. Er sagt: „Es ist mir eine Ehre, diesen Preis für das gesamte MOSAIC-Team in Empfang zu nehmen. Indem wir eine solide wissenschaftliche Basis für politische Entscheidungen zum Klimaschutz liefern, tragen wir gemeinsam dazu bei, den Arktischen Ozean zu schützen. Der Preis ist mit 5000 Euro ausgezeichnet. Diese Summe möchte ich dafür nutzen, die junge Generation über die Veränderungen in der Arktis und deren wichtige Bedeutung für sie selbst aufzuklären. Wenn wir von der Expedition zurückkehren, sind wir alle Arktis-Botschafter, wir haben fantastische Eindrücke zu teilen, wir können Leute inspirieren und motivieren, sich für den Schutz dieser faszinierenden Welt einzusetzen. Ich möchte alle Aktivitäten unterstützen, um die Öffentlichkeit zu erreichen, insbesondere die junge Generation.“ Daher soll das Preisgeld an Nachwuchsforschende gehen, um deren Reisekosten für Bildungsaktivitäten zu decken.

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Re: Folge der MOSAIC expedition

Beitragvon Jochen » Sa 26. Sep 2020, 19:34

Tag 373 Samstag 26. September 2020 - 11.566 km - -1,8 °C - Position N86°0‘ E32°25‘ - Quelle

Viele Faktoren beeinflussten unseren Abreisezeitpunkt von der Scholle. Beispielsweise mussten wir so planen, dass schwere Eisbedingungen uns nicht das Ankunftsdatum verpassen lassen. Wir sind jedoch richtig gut vorangekommen, so dass Reservetage entstanden sind, die wir für Stationen unterwegs nutzen können. Das bedeutet: Am Donnerstag waren wir zurück auf dem Eis! Einige Mitglieder aus Team Ice haben auf einem langen Transekt Eisdicke und -beschaffenheit bestimmt. Die Teams BGC, Eco und Atmos haben Gasaustauschmessungen an demselben Ort durchgeführt, an denen sie Eiskerne gezogen haben, während Team Ocean einen großen Riss beprobt hat. Die größte Gruppe bestand aus einem über das Eis gezogenen Fernerkundungsinstrument, gefolgt von einem Atmos-Schlitten zur Bestimmung der Energiebilanz und einem Schnee-Team, dass die Eisoberfläche erforscht hat. Eine großartige Zusammenarbeit, um unterwegs so viele Daten wir möglich zu sammeln.

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Re: Folge der MOSAIC expedition

Beitragvon Jochen » So 27. Sep 2020, 16:23

Tag 374 Sonntag 27. September 2020 - 11.804 km - -7,7 °C - Position N83°54‘ E32°10‘ - Quelle

An Bord haben wir eine kleine Bar, die das Zillertal genannt wird. Letzten Donnerstag wurde es in Chillertal umbenannt und es gab einen Quizabend. Organisiert von einem Team um Alison Webb (die uns bereits während der Einzelquarantäne zu Beginn unserer gemeinsamen Reise blendend unterhalten hat) gab es mehrere Fragerunden rund um unser Schiff, die Expedition sowie klassische Themen wie Musik und Sport. Nach fast drei Stunden harten Kampfes hat sich Team Drizzle durchgesetzt. Der Name bedeutet Sprühregen und ist inspiriert von unserer Wetterfee Julia Wenzel, die gemeinsam mit Jan Rohde, Jacob Allerholt, Oula Niemelä und Steffen Graupner geraten hat - Herzlichen Glückwunsch!

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Beitragvon Jochen » Di 29. Sep 2020, 12:32

Tag 375 Montag 28. September 2020 - 11.991 km - -8,2 °C - Position N83°9‘ E25°1‘ - Quelle

Neben den Eisstationen führen wir auch unterwegs Messungen mit den im Bugbereich fest installierten Instrumenten durch. Team Atmos möchte die Energie- und Gasflüsse an der Eiskante studieren. Ihre Daten werden sie mit denen von Team Ocean kombinieren, das eine tiefe CTD bis zum Meeresboden fahren wird. Wenn wir das Eis verlassen haben, werden wir entlang der Eiskante fahren und ein zweites Mal die Eisrandzone durchqueren. Unser letzter wissenschaftlicher Wegepunkt ist eine Eisscholle, auf der noch Positionsbojen von der Flugkampagne angebracht wurden. Wir haben hoffentlich die Zeit, dort noch einmal auf dem Eis zu forschen, so können wir dann unsere aktuellen Daten mit denen der Messungen aus der Luft kombinieren. Schließlich geht es (wieder durch die Eisrandzone) nach Spitzbergen, wo wir Material mit der AWIPEV-Station austauschen. Der Aufenthalt im dortigen Kongsfjord nutzen wir zusätzlich zum Umstauen von Fracht, bevor wir die Arktis endgültig mit Ziel Bremerhaven verlassen.

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Re: Folge der MOSAIC expedition

Beitragvon Jochen » Di 29. Sep 2020, 17:46

Tag 376 Dienstag 29. September 2020 - 12.282 km - -3,9 °C - Position N81°34‘ E10°49‘ - Quelle

Wir haben eine Führung im Maschinenraum bekommen und waren begeistert, hinter die Kulissen schauen zu dürfen, wo die Mannschaft das Schiff am Laufen hält. Die vier Hauptmaschinen, ein Hilfsdiesel, die Generatoren und Wellen: Alles ist sehr beeindruckend und die teilweise fast 40 Jahre alten Maschinen laufen dank der sich engagiert kümmernden Crew zuverlässig. Abhängig von den nautischen oder wissenschaftlichen Anforderungen werden sie zu- oder abgeschaltet, damit sie immer genug Leistung bringen, aber auch Treibstoff sparen, wenn sie nicht benötigt werden. Zusätzlich sind die Maschinisten auch für die Wasserversorgung verantwortlich und den Strom, wobei letzterer im Winter noch eine größere Rolle gespielt hat, als Polarstern ansonsten mit Eis-Ankern an der Scholle festgemacht hatte und nicht aktiv manövrieren musste.

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Re: Folge der MOSAIC expedition

Beitragvon Jochen » Mi 30. Sep 2020, 17:44

Tag 377 Mittwoch 30. September 2020 - 12.446 km - -4,8 °C - Position N81°40‘ E1°18‘ - Quelle

Auf unserem Weg durch die Eisrandzone sind wir durch einen wunderschönen Eistypen gefahren: Pfannkucheneis. Es entsteht in einem frühen Stadium der Neueisbildung aus sogenanntem Frazil-Eis, das sind dünne Eisnadeln, die dann zu einer dünnen Schicht von Eisschlamm zusammenwachsen. Zu diesem Zeitpunkt braucht es Wellengang, damit Pfannkucheneis entsteht, denn sonst würde einfach eine glatte Oberfläche den Ozean bedecken. Aber die Wellen führen dazu, dass die frisch wachsenden Eisstücke wieder und wieder zusammenstoßen und diese Kollisionen führen zu mehr oder weniger runden Pfannkuchen, die typischerweise eine wulstigen Rand haben. Sie können bis zu mehreren Metern groß werden, bis sich letztlich eine geschlossene Neueisdecke bildet.

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Re: Folge der MOSAIC expedition

Beitragvon Jochen » Do 1. Okt 2020, 16:55

Tag 378 Donnerstag 1. Oktober 2020 - 12.673 km - -2,4 °C - Position N79°52‘ E7°14‘ - Quelle

Gestern hatten wir unsere letzte Eisstation: routinierte Transekte mit atmosphärischen, Schnee- und Eismessungen, Eiskernbohrungen, Gasflussmessungen, Beprobung von Neueis und eine neue Herausforderung, die sogenannte Eis-Challenge. Von Marcel Nicolaus und Julia Regnery aus dem Team Ice organisiert, waren alle gefragt, die in fast sieben Wochen seit Beginn der Arbeiten auf unserer ersten Scholle gesammelten Fähigkeiten unter Beweis zu stellen: Eis durchbohren (mit einem Handbohrer anstatt eines elektrischen, der nur für Anfänger gewesen Wäre), seine Dicke bestimmen und exakt 500 Gramm Schnee abwiegen. Was sich leicht anhört, wird zur Herausforderung, wenn Zeitstress als Faktor dazukommt, um den besten Wettbewerber zu finden. Das war letztlich Jan Rohde (herzlichen Glückwunsch), ebenfalls aus dem Team Ice, der dementsprechend einige Erfahrungen auf diesem Gebiet hat. Aber alle anderen Teilnehmer hatten mindestens ebenso viel Spaß wie Jan.

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Re: Folge der MOSAIC expedition

Beitragvon Jochen » Fr 2. Okt 2020, 16:44

Tag 379 Freitag 2. Oktober 2020 - 12.990 km - 1,8 °C - Position N78°15‘ E15°15‘ - Quelle

Ein weiteres „Letztes Mal“: Gestern haben wir die letzte Radiosonde gestartet, die in den MOSAIC-Atmos-Datensatz eingehen wird. Viele Menschen haben sich dafür auf dem Helideck gleich neben der Ballonfüllhalle versammelt, um auf dem Ballon zu unterschreiben. Team Atmos hat damit den 1574. Ballonaufstieg gefeiert - wobei Starts während der intensiven Beobachtungen auch um 3:00 Uhr morgens stattfanden, beispielsweise als wir kürzlich die Eisrandzone durchquert haben. Wettertechniker Andreas Raeke vom Deutschen Wetterdienst (DWD) hat dabei auch Sandro Dahlke und Zoe Brasseur für den höchsten Aufstieg ausgezeichnet: Ihr Ballon schaffte es bis in über 36 km Höhe. Andreas und seine Kollegin Julia Wenzel werden im Rahmen der standardmäßigen Beobachtungen der Polarstern-Wetterwarte auch weiterhin Ballonaufstiege durchführen.

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