Israel - Jerusalem im Karfreitags-Taumel

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Israel - Jerusalem im Karfreitags-Taumel

Beitragvon Anneliese » Do 18. Jul 2019, 18:47

Man sieht kein Blut, nur rote Farbe.

Hier erlebt ein Gruppe von Jugendlichen ganz hautnah, in der Nähe der Grabeskirche, die Geschichte von der Kreuzigung Jesu, erzählt von einem gestikulierenden Mönch. Viele Christen sind in den Altstadt-Gassen unterwegs und können nachgestellte Szenen miterleben. Andere Pilger ruhen sich aus, nachdem sie ein Kreuz auf dem Kreuzweg geschleppt haben.

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Die römischen Soldaten beginnen ihr schändliches Tun.
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Die begleitenden Frauen mit Spitzentüchern stoßen übrigens Trillerlaute hervor, wie ich sie aus dem arabischen Raum schon mal gehört habe. In diesem Fall dürfte es sich um Laute der Trauer handeln.

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Viele Fotografen
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Vor der Grabeskirche
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Rechts einer gefühlsbeladene regligiöse Gruppe, wahrscheinlich Pfingstler, die sich umarmen und Gefühlslaute von sich geben. Vorher hat sich eine Sprecherin mit verklärtem Gesicht geäußert.

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Die Polizei muss auf die unterschiedlichen christlichen Gruppierungen aufpassen. Es ist schon öfter zu unschönen Schlägereien gekommen. Die Links über den fortwährenden Streit würde ich lesen, es ist auch witzig, finde ich. (Der lange Streit um die Grabeskirche...)

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Der lange Streit um die Grabeskirche in Jerusalem | DOMRADIO.DE ...

https://www.domradio.de/.../die-konfess ... r-lange-...
19.04.2019 - Heiligtum und Zankapfel: Seit Jahrhunderten streiten Christen verschiedener Konfessionen darum, welcher Teil der Grabeskirche in Jerusalem ...
Streit in Jerusalem: Warum die Grabeskirche vorerst geschlossen ...


https://www.tagesspiegel.de › Gesellschaft › Panorama
26.02.2018 - Frustrierte Touristen, ratlose Pilger: Die Kirchen schließen die berühmte Grabeskirche in Jerusalems Altstadt – ein Protest gegen Israels ...

Aus dem Domradio-Interview (siehe Link) zur berühmt-berüchtigten Leiter

Baur: Das ist ein ziemlich kurioses Objekt. Die Kirche wrd auf Anordnung des Sultans nachts immer von zwei muslimischen Familien abgeschlossen. Im 19. Jahrhundert haben Mönche deswegen eine Leiter verwendet, um durchs Fenster in die Kirche einzusteigen. Mittlerweile wird sie nicht mehr benutzt, aber die Leiter kann von keinem entfernt werden, weil niemand weiß, wer die Berechtigung für diesen Teil der Kirche hätte.

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Griechisch? Russisch-orthdox???
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http://www.ich-glaube.info/grabeskirche ... usalem.php



Viele meist weibliche Besucher bringen große Taschen mit Kleidungsstücken mit. Die reiben sie auf dem Stein, auf dem der Leib Jesu gesalbt worden sein soll, verzückt und heftig hin und her. Dann werden die mit der heiligen Stätte in Kontakt gebrachten Textilien wieder in die Tasche getan und der nächste Beutel mit Textilien ist dran. Ich habe lange gebraucht, um zu begreifen, was sich da abspielt. Ich sah nur knieende Frauen, Männer standen davor und hielten sich meist kürzer auf. Viele Russinnen darunter, ansonsten waren alle Erdteile und Länder vertreten. Die Frauen rieben außer den Textilien auch Amulette und Kruzifixe auf dem Stein hin und her. So hatten sie wertvolle Geschenke für zu Hause. Diese Gegenstände waren gewissermaßen sakral angereichert, weil über den Salbungsstein mit dem Leib Jesu Christi verbunden.

Auf einem Bild sieht man, dass Rosenblätter aus einer großen Plastiktüte auf dem Stein entleert wurden. Auf einem Bild sieht man vielleicht ein T-Shirt, vielleicht für ein Kind.

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Pilger aus aller Welt.

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Die armenisch-katholische Kirche der Schmerzen Mariä befindet sich unweit des Österreichischen Hospizes im muslimischen Viertel der Jerusalemer Altstadt.

An solchen Tagen wird natürlich ganz besonders aufgepasst.
Anneliese
 
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Re: Israel - Jerusalem im Karfreitags-Taumel

Beitragvon Anita » Fr 19. Jul 2019, 12:00

Liebe Anneliese

Mein Bruder war im diesem Jahr am Karfreitag in Bethlehem und war sehr beeindruckt.
Danke für Deine Bilder aus Jerusalem.

Viele Grüße,
Anita [tschuess]
Anita
 

Re: Israel - Jerusalem im Karfreitags-Taumel

Beitragvon Eva » Fr 19. Jul 2019, 13:04

Liebe Anneliese,
herzlichen Dank für diese Eindrücke von eine ganz anderen Karfreitag!
[tschuess] Eva
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Re: Israel - Jerusalem im Karfreitags-Taumel

Beitragvon Anneliese » Di 23. Jul 2019, 17:26

Was qualmt hier denn so?
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Pessach

G'tt schickte den Ägyptern die 10 Plagen zur Strafe dafür, dass er die Juden nicht gehen lassen wollte. Die zehnte Plage bestand darin, dass er die Erstgeborenen tötete. Die Juden verschonte er. Das ist die Bedeutung des Wortes Pessach, es heißt hinwegschreiten, verschonen. Daraufhin ließ der Pharao die Juden ziehen. Sie waren sehr in Eile und nahmen das unfertige, nicht gesäuerte Brot mit. Wir können es heute als Mazzen kaufen. Die sind ungefähr so wie Knäckebrot. Zur Erinnerung an die eilige Flucht aus Ägypten verbrennt man am Tag vor Pessach alle gesäuerten Getreideprodukte, wozu man auch Schnaps zählt, der aus Getreide gewonnen wird (Whisky. Korn, Wodka, Gin) Auf den Bildern kann man sehen, wie der schöne Schnaps ins Feuer gegossen wird. Damit auch kein Krümel Gesäuertes im Hause übrig bleibt, veranstaltet man den Frühjahrsputz. Wer mag, heuert sich dafür jemanden an. Ich habe Zettel an Wänden gesehen, auf denen Leute sich anboten, gegen Bezahlung die Pessach-Reinigung zu übernehmen. Den Links könnt ihr mehr Einzelheiten entnehmen.

Es ist ein großes Fest. Am Abend davor lädt man zum "Seder"-Abend (das bedeutet Ordnung) ein. Alle Leute kleiden sich festlich, wenn sie zur Freunden, Verwandten eilen, um die Zeremonien zu feiern. Man hat auch Geschenke für die Gastgeber dabei, ich habe Blumen gesehen.

Den Namen Gott darf man wegen seiner Heiligkeit nicht aussprechen und ausschreiben, darum gibt es viele stellvertretende Bezeichnungen. Die einfachste Lösung ist, den Gottesnamen unvollständig zu schreiben, eben G'tt statt Gott.

Pessach | Religionen-entdecken - Die Welt der Religion für Kinder ...

https://www.religionen-entdecken.de/lexikon/p/pessach
Pessach: Das jüdische Fest zum Auszug aus Ägypten | Themen | BR.de

https://www.br.de › Themen


Das Feuer erinnert natürlich an unser Osterfeuer am Sonnabend vor Ostern. Häufig fallen Ostern und Pessach auf dieselbe Woche. Ist ja kein Wunder, denn Jesus befand sich auf dem Wege nach Jerusalem zum Pessachfest, als er verhaftet und auf qualvolle Art hingerichtet wurde
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Jetzt fliegt das gesäuerte Brot ins Feuer.
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Und jetzt auch noch der teure Schnaps!

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In Mea Shearim, dem Wohnviertel der Ultra-Orthodoxen, gibt es viele Pessach-Feuer.

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Das Kidron-Tal
Nach den Karfreitags-Eindrücken sind wir aus der Jerusalemer Stadtmauer hinausspaziert und den König David Weg hinunter ins Kidron-Tal gegangen. Es ist ein kurzer Spaziergang: Altstadt mit der Via Dolorosa (Kreuzweg Christi), Klagemauer, Stadtmauer, den König-David-Weg hinunter ins Kidron-Tal, auf der anderen Seite befindet sich der Ölberg mit vielen Gedenkstätten in Erinnerung an das Wirken Jesu Christi. Vielleicht haben wir dafür 30 bis 40 Minuten gebraucht. Beginnt man den Spazierweg nach Verlassen der Stadtmauer, braucht man nicht viel länger als 20 Minuten auf die andere Seite. Am Fuße des Ölberges betritt man Garten Gethsemane mit der Kirche der Nationen. Weiter oben sieht man die goldene Kuppel der russischen Maria Magdalena Kirche.

Als Kind hatte man ja keine räumlichen Vorstellungen, wenn vom Garten Gethsemane die Rede ist, von dem aus Jesus sich auf den Weg zum Pessachfest nach Jerusalem begab. Und sein Leidensweg begann.


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Der Weg ist kurz. Auf der anderen Seite Häuser, links davon der Ölberg mit neueren Grabstätten. Die Hänge waren im April im vielen Blumen übersät.
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Man sieht vom Tal aus die wegen der goldenen Kuppeln auffällige russische Kirche
Maria Magdalena, die sehr prächtig ist.

Maria Magdalena Kirche auf dem Ölberg, Jerusalem, Bilderserie ...

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Im Tal kommt man an einem altehrwürdigen Grabmal vorbei, Erklärungen bei Wiki:
Grab des Zacharias – Wikipedia
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Die Kirche der Nationen befindet sich direkt links vom Garten Gethsemane
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Die Olivenbäume im Garten Gethsemane. Der Ölberg heißt wahrscheinlich so, weil sich dort früher eine Olivenölpresse befand.
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Papst Paul VI. hat den Baum gespendet (gepflanzt?)
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Noch im Kidron-Tal, direkt vor der Kirche der Nationen (und links davon vor dem Garten Gethsemane mit seinen Olivenbäumen) hält eine große Gruppe von Asiaten, vom Aussehen her könnten es christliche Inder sein, einen Gottesdienst ab. Wie groß muss die Glaubensüberzeugung sein, dass man die weite und teure Reise auf sich nimmt, um die Stätten des Wirkens von Jesus mit eigenen Augen zu sehen. Auf diesem Gottesdienst-Gelände ist auch ein christlicher Friedhof zu sehen.

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Ein arabischer Christ.

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Rechts sieht man die Stadtmauer von Jerusalem, in der Mitte den christlichen Friedhof und, verdeckt, den Gottesdienst der asiatischen Christen, in der Mitte weiter weg das Denkmal/Grabmal des Zacharias. Links sieht man den Ölberg mit neueren Grabstätten. Man sieht hier gut, wie nah alles beieinander ist.
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Seder-Abend


Aus dem Kidron-Tal zurückgekehrt, hatten mittlerweile alle Geschäfte und Cafés geschlossen, denn es nahte der Sederabend mit seinem feierlich zelebrierten häuslichen Gebeten und Zeremonien. So betrachteten wir auf dem Platz vor der Hurva-Synagoge die Vorübereilenden, die sich wohl auf dem Weg zu Verwandten oder Freunden befanden, um diesen Abend gemeinsam zu begehen.

Zu Beginn etwas zur Hurva-Synagoge, die 1948 von jordanischen Soldaten zerstört und 2010 nach dem Aufbau wieder feierlich eröffnet wurde

https://de.wikipedia.org/wiki/Hurva-Synagoge

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Hier Genaueres zum Seder-Abend, dem Abend vor Pessach, und Ostern.

Am Seder-Abend, dem Auftakt zu Pessach, findet ein längerer häuslicher Familiengottesdienst nach einer genau vorgezeichneten Ordnung (=seder) statt.

Weil es so umfassend erklärt ist, hier die Passage vom Bayerischen Rundfunk über Pessach und Ostern:

Christliches Oster- und jüdisches Pessach-Fest:
Termin in beiden Fällen um den Frühlingsvollmond herum (Ostern: Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond – Pessach: beginnt am Abend des 14. Nisan, Nisan ist der Monat mit dem Frühlingsvollmond)
Pessach ist auch der Ursprung der christlichen Kartage und des Osterfestes. Denn wegen des Pessach-Festes ging Jesus nach Jerusalem, wo er ans Kreuz genagelt wurde. Tod und Auferstehung Jesu fielen in die Pessach-Woche.
Das christliche Abendmahl stammt vom jüdischen Sederabend ab, Hostien sind ungesäuerte Brote.
Der Name für Ostern ist in vielen europäischen Sprachen von Pessach / Pasha abgleitet: Spanisch: pascua, Niederländisch: pasen, Italienisch: pasqua, Finnisch: pääsiäinen, Russisch: pascha, Isländisch: páskar etc.

Alle eilen, schon festlich gekleidet oder die schönen Kleider im Rollkoffer mit sich führend.
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Der Sohn zieht den Rollkoffer mit den Festtagskleidern, im Kinderwagen wird das Geschenk transportiert, eine Pflanze im Blumentopf, in der rechten Hand trägt der Familienvater das frisch gebügelte Hemd.

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Es sieht so aus, als trügen die gut gekleideten älteren Herren Pizza-Schachteln. Oder was enthalten sie?

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Dieser FC-Bayern-Neuer-Fan trägt eine Kippa, unter dem Hemd schauen die Fransen eines Gebetsmantels/Tallit hervor. Man kann also ultra-orthodox sein und Fußballfan, in diesem Fall für Manuel Neuer schwärmen
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Auf der anderen Seite der Hurva-Synagoge hat man eine alte von den Römern erbaute Straße freigelegt. Sie liegt einige Meter tiefer.

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Anneliese
 
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Re: Israel - Jerusalem im Karfreitags-Taumel

Beitragvon UliS » Di 23. Jul 2019, 19:47

Danke für die Berichte und Bilder aus einer mir total fremden Welt ... Uli [tschuess]
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Re: Israel - Jerusalem im Karfreitags-Taumel

Beitragvon Sonja » Do 25. Jul 2019, 15:41

Das ist alles ganz interressant
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Re: Israel - Jerusalem im Karfreitags-Taumel

Beitragvon Anita » So 28. Jul 2019, 15:20

Liebe Anneliese

Sehr interessant!! Vielen herzlichen Dank!
Schönen Sonntag [tschuess]
Anita
 


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