Von Hamburg in die Arktis: Arved Fuchs startet Expedition

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Re: Von Hamburg in die Arktis: Arved Fuchs startet Expeditio

Beitragvon UliS » Mi 8. Aug 2018, 10:46

Arved Fuchs Expeditionen - Quelle
OCEAN CHANGE 2018

Die Reise der "Dagmar Aaen" geht weiter in Richtung Norden. Vorbei an Nuuk und Sisimiut ging die Fahrt zur kleinen Gemeinde Qeqertarsuaq. Es wird versucht, die in Island verloren gegangene Zeit wieder aufzuholen.

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07.08.2018 Qeqertarsuaq

Mit guten Erinnerungen und neuen Freunden verlassen wir Qaqortoq früh am Freitag. Wir haben uns entschieden, das gute Wetter zu nutzen und einen weiten Schlag Richtung Norden zu fahren. Kurzum wurden die Städte Nuuk und Sisimiut von unserem Reiseplan gestrichen. Das ist zwar schade, aber wir wollen in den hohen Norden, ins Eis, ins Polarmeer.

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Durch den neuen restriktiven Zeitplan haben wir bereits gut zwei Wochen Zeit gut gemacht. Das bedeutet zwar mehr Tage auf See, aber das stört uns nicht. Wir haben uns alle gut eingeschaukelt. Die Wachen, Backschaft, Brot backen, Ordnung halten - alles geht seinen gewohnten Gang. In der Freizeit wird gelesen, Grönländisch gelernt und Karten gespielt.

Wenn mal ein Wal zu sehen ist wird aufgestockt und alle finden sich an Deck wieder. Eissturmvögel begleiten uns und hin und wieder taucht eine neugierige Robbe neben dem Boot auf. Der Smutje verwöhnt uns mit einer leckeren Fischsuppe. Wir hatten Glück, in der Ausfahrt von Qarqortoq konnten wir ein paar Dorsche fangen. Es geht das Gerücht an Bord um, dass an einer Angel fünf Fische gleichzeitig angebissen hätten. Ob es stimmt, können wir nicht überprüfen, aber es war sehr lecker.

Auf einer solchen Seestrecke ist alles was an Bord passiert vom Wetter geprägt: Regen, Wellengang, Nebel, steife Prise oder Flaute - bisher war alles dabei. Die Grönländer mit denen wir ins Gespräch gekommen sind, erzählen uns alle, dass dieser Sommer ungewöhnlich kalt ist. Wir haben hier immer so um die 5-9 Grad. Temperaturen, die sich gerade jeder daheim in Deutschland wünscht. Wir empfinden die Nachrichten die uns aus Deutschland erreichen als verstörend. Tonnenweise tote Fische, verendete Schwäne, Notschlachtungen, Landwirte, die vor dem Existenzverlust stehen und Kraftwerke, die heruntergefahren werden müssen, weil nicht mehr genügend Kühlwasser vorhanden ist. Diesen Sommer wird es erneut viele Tote aufgrund der Hitzewelle in Europa geben. Aus der Erderwärmung ist eine Erderhitzung geworden, der Klimawandel ist spürbare Realität. All das macht uns Sorgen.

Wie stark die Veränderungen in Grönland in diesem Jahr wirklich sind, können wir natürlich als Gäste nicht sagen und wollen die Bewertung Meteorologen überlassen. Was wir jedoch beobachten ist ungewöhnlich, das konstante Tiefdruckgebiet, welches zurzeit über Grönland liegt, ist typisch für die Monate September und Oktober. Arved und Brigitte berichten, dass sie bisher im Sommer in Grönland keinen Regen erlebt haben. Momentan regnet es andauernd. Einwohner berichten uns besorgt über starke Stürme und gefährliche Eisdrifts zu ungewöhnlichen Zeitpunkten. Es bleibt ein viel zu warmer Winter und ein zu kalter Sommer hier in Grönland und sicher ist, es wandelt sich etwas auf diesem Fleckchen Erden.

Heute Früh sind wir auf der Disko Insel in der Stadt Qeqertarsuaq angekommen. Es soll nur ein kurzer Stop werden, um zeitnah weiter in den Norden zu fahren. Wir wollen so weit wie möglich reisen auf dieser Expedition, wie weit es sein wird, dass weiß nur Neptun und hoffentlich auch der Wetterdienst, dem wir an dieser Stelle einmal ausdrücklich für die Versorgung mit aktuellen Wetterdaten danken wollen. Die Vorhersagen für Grönland sind sehr gut und wir können uns stehts auf die übersendeten Daten verlassen.

In den kommenden Wochen stehen viele spannenden Aufgaben bevor, wir wollen Gletscher vermessen, Plastiksammlungen durchführen und mit einem Hydrophon Unterwasseraufnahmen machen. Wir werden an dieser Stelle weiter berichten.

Justus

VIDEO: https://arved-fuchs.travelmap.net/video ... k-tasiilaq

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Re: Von Hamburg in die Arktis: Arved Fuchs startet Expeditio

Beitragvon UliS » So 12. Aug 2018, 13:47

Arved Fuchs Expeditionen - Qelle
OCEAN CHANGE 2018

In der kleinen Gemeinde Qeqertarsuaq unternahm die Crew zwei weitere Strandsäuberungen. Nicht nur Plastikmüll verunreinigt die Strände an Grönlands Küsten, die Vielfalt der Verschmutzung war ziemlich erschreckend ...

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11.08.2018 Diskoinsel

Nach einer schnellen Überfahrt mit viel Rückenwind sind wir am Dienstagmorgen vor schönstem Eisbergpanorama in Qeqertarsuaq eingelaufen. Die Seebeine gewöhnen sich schnell wieder an festen Boden unter den Füßen, so dass es gleich auf Erkundungstour gehen kann. Dabei treffen wir nur nur auf einen wunderschönen schwarzen Strand, gespickt mit aufgelaufenen Eisbergen, sondern auch auf Kirsten Pedersen. neben dem Betrieb eines liebevoll eingerichteten Kunstcafés hat sich Kirsten dem Problem der zunehmenden Plastikverschmutzung der umliegenden Küste verschrieben. Zusammen mit wenigen Freiwilligen versucht sie so die Umgebung sauber zu halten - ein vergebliches Unterfangen.

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Wir lernen von Kirsten, dass neben der Fischerei ein Großteil der Küstenverschmutzung vom Land her rührt. Wie die meisten kleinen Ortschaften hat auch Qeqertarsuaq mit seinen gut 800 Bewohnern eine eigene Müllhalde am Ortsrand zwischen den Felsen. Dort liegt der Müll offen herum, die kleine lokale Verbrennungsanlage wurde kürzlich abgeschaltet. In Grönland wird die Müllverwertung zunehmend zentralisiert, so dass dieser von den kleinen Ortschaften wie Qeqertarsuaq mit dem Schiff in die zentrale Verwertungsanstalten transportiert wird. So zumindest das Ziel, in der Praxis sehen sich die lokalen Ortschaften jedoch nicht mehr in der Verantwortung und durch fehlenden Windschutz werden große Teile des Mülls aufs Meer getragen. Laut Kirsten ist die oft einfache lokale Verbrennung mit all den ungefilterten Schadstoffen keine gute Lösung, die neue zentrale Lösung jedoch ebenso verbesserungsbedürftig.

Erneut haben wir Plastikuntersuchungen durchgeführt. Dafür haben wir uns zwei Strände zum Vergleich ausgewählt, zum einen den Stadtstrand und zum anderen einen Strand etwas außerhalb in einer geschützten Bucht. Gemäß des wissenschaftlichen OSPAR-Leitfadens haben wir so zwei große Strandabschnitte komplett gesäubert und die Art, Anzahl und das Gewicht der Verunreinigungen dokumentiert. Diese Art der Untersuchung führen wir auf unserer gesamten Expedition immer wieder durch, um so in Zusammenarbeit mit dem Alfred Wegener Institut eine Aussage darüber treffen zu können, wie stark die Meere insbesondere im hohen Norden verschmutzt sind. In einer zweiten Untersuchung, in Kooperation mit der Senckenberg Gesellschaft, nehmen wir Proben von Plastikteilen, welche zurück in Deutschland auf den Eintrag nicht endemischer Arten untersucht werden. Wir wollen herausfinden ob zum Beispiel Bakterien oder Algen auf einem Stück Plastik durch die Weltmeere reisen können und sich so verbreiten.

Neben den allgegenwärtigen Rückständen aus der Seefahrt und Fischerei finden wir auch alltägliche Rückstände die in jedem Hausmüll zu finden sind. Von Feuerzeugen, Ölbehältern, Verpackungen jeglicher Art, Zigarettenfiltern bis hin zu Spritzen ist wirklich alles dabei. Das Ergebnis der Untersuchung hier in Qeqertarsuaq hat uns nicht überrascht, der Stadtstrand war relativ sauber, jedoch gespickt von Hinterlassenschaften der Einwohner, der Strand in der vorgelagerten Bucht war geprägt vom Eintrag aus dem Meer. Die Vielfalt der Verschmutzung auch hier nördlich des Polarkreises ist für uns ernüchternd. Ein positiver Nebeneffekt ist jedoch - wir hinterlassen die Strände nach der Untersuchung sauber.

Kristian

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Re: Von Hamburg in die Arktis: Arved Fuchs startet Expeditio

Beitragvon UliS » Di 14. Aug 2018, 09:45

Arved Fuchs Expeditionen - Quelle
OCEAN CHANGE 2018
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Es geht immer weiter in Richtung Norden. Von Upernavik, dem Ort der Überwinterung der "Dagmar Aaen" im Winter 2009/10, wird die Fahrt fortgesetzt. Das nächste Ziel ist Siorapaluk, die nördlichste gewachsene Siedlung der Welt ...

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13.08.2018 Upernavik

Wir sitzen über den Seekarten und beraten, wie es für uns weiter geht. Noch liegen wir im Hafen von Upernavik. Am Vorabend haben wir kurz vor Mitternacht an der einzigen Pier des kleinen Ortes festgemacht. Für die Jugendlichen des Ortes war das eine willkommene Abwechslung. Für Groß und Klein ist der Hafen ein großer Abenteuerspielplatz.

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In Neoprenanzügen verpackt, stürzen sie sich vor unseren Augen von der Pier in das eiskalte Wasser. Hier nördlich des 72. Breitengrades ist die Polarnacht 75 Tage lang, da will der lange Sommer gut genutzt sein. Upernavik ist unser letzter Zwischenstopp auf dem Weg in den dünn besiedelten Norden, der letzte Outpost an dem wir alles Wichtige besorgen können. Wir verproviantieren uns, bunkern Wasser, duschen im örtlichen Krankenhaus und schreiben unseren Familien. In den kommenden drei Wochen werden wir nur noch in Ausnahmefällen über das Satellitentelefon Kontakt halten können. Über diesen Kanal wird auch dieser Logbucheintrag versendet. Brigitte und Arved haben noch einen Spaziergang in die Vergangenheit gemacht und sind über die Berge auf die andere Seite der kleinen Insel gelaufen. Von einer Anhöhe aus konnten sie die Bucht einsehen, in der die "Dagmar Aaen" im Winter 2009-2010 eingefroren war.

Drei Crewmitglieder hatten dort die polare Nacht bei Eiseskälte verbracht. Über den Verlauf der Überwinterung untersuchten sie für das Max Planck Institut aus Hamburg in einer Langzeitstudie die Eisentwicklung. Die Wissenschaftler hatten umfangreiche Messgeräte im Eis ums Schiff herum installiert. Während die Wissenschaftler um deren Leiter Dr. Dirk Notz sporadisch vor Ort waren, kümmerte sich die Überwinterungscrew um die Sensorik und musste Daten auslesen, die später im Institut analysiert wurden. Die Ergebnisse waren insgesamt ernüchternd, da das Meereis sich viel später als üblich bildete und auch nicht die Stärke und Festigkeit erlangte, die zu erwarten gewesen wäre. Die Grönländer sagten uns damals: "Das Meer ist einfach zu warm, um festes Eis zu bilden."
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Kap York

Jetzt aber soll es weiter gehen, wir lauschen gespannt Arveds Ausführung wo er bereits gewesen ist, was er dort erlebt hat und welche Optionen wir haben. Da wir Anfang September wieder in Ilulissat sein müssen und wir durch den Propellerschaden Zeit verloren haben, entscheiden wir uns erst einmal so weit wie möglich auf direktem Weg in Richtung Norden zu fahren. Wir wollen nach Siorapaluk, der nördlichsten gewachsenen Siedlung der Welt. Dort entscheiden wir, ob wir es uns noch erlauben können, weiter nördlich zu reisen oder den langsamen Rückweg entlang der Küste antreten werden.Wir wollen noch zahlreiche Gletscher untersuchen und haben es uns abgewöhnt, lange im Voraus zu planen. Der unfreiwillig längere Aufenthalt in Island hat uns gelehrt, auf veränderte Situationen spontan zu reagieren. Und letzlich entscheidet - wie immer - das Wetter über die weitere Reiseplanung.

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Die Entscheidung ist gefallen, innerhalb weniger Minuten wird die Maschine gestartet und die Leinen werden losgeworfen. Wir haben uns für die direkte Querung der Melville Bucht entschieden. Kurs 314 Grad für die nächsten 300 Seemeilen. Der Seewetterbericht sagt uns eine steife Brise und fallende Temperaturen voraus. So fahren wir in die helle Sommernacht hinein. Wir sind alle schnell wieder im Wachrhythmus. Vier Stunden an Deck, acht Stunden Freizeit. Es regnet und Nebel zieht auf. Bei 2° Lufttemperatur ist es wirklich ungemütlich an Deck! So vergeht der Sonntag im Nebel, und außer ein paar Eisbergen ist nicht viel zu sehen. Der dicke Seenebel nimmt uns jede Sicht. Das bedeutet für uns, dass auf dem Vorschiff Eiswache gegangen werden muss. Mehrere Stunden bei feucht kaltem Wetter auf eine graue Wand zu starren und zu versuchen, den nächsten Eisbrocken im Wasser zu erahnen, ist anstrengend. Nach der Wache ist man froh unter Deck zu kommen, einen warmen Tee zu trinken und sich aufzuwärmen.

Montag früh reißt dann der Himmel auf und die Sonne scheint wie ein Feuerball durch den Nebel. Endlich! Die Luft fängt an zu glitzern, in der Ferne taucht im Dunst die vergletscherte Küstenlinie auf - ein wundervolles Farbenspiel. Um uns herum schwimmen die zur Familie der Alkenvögel gehörenden Krabbentaucher, die, je näher wir kommen, zwitschernd in Hektik verfallen und im letzten Moment eilig vor unserem Bug abtauchen. Alken sind hervorragende Taucher und leben die meiste Zeit des Jahres auf dem Wasser - wenn man so will, der Pinguin der Nordhalbkugel. Fermentiert in Robbenhaut gelten sie bei den Grönländern übrigens als Delikatesse - nichts für schwache Nerven. Der Geruch erinnert an ranzigen Gorgonzola...

Querab ist Land in Sicht. KapYork oder in Landessprache Innaanganeq gilt als das Tor zu dem am nördlichsten gelegenen Land. Durch das Fernglas können wir sogar die 18 Meter hohe Stehle erkennen, die zu Ehren Robert Pearys dort aufgestellt worden ist - dem vermeintlichen Entdecker des Nordpols - obwohl dieser Anspruch nicht unumstritten ist. Wie zu einem riesigen Trichter verengt sich die Baffin Bucht hier, links von der kanadischen Ellesmere Insel und rechts von der grönländischen Küste begrenzt. Das ist der Beginn des legendären Smith Sundes. Erst 1818 gelang es einer britischen Expedition soweit in den Norden vorzudringen und erstmals Kontakt zu den Inughuit herzustellen, die bis dahin glaubten, die einzigen Menschen auf der Welt zu sein. So isoliert waren sie.

Wir sind sehr gespannt, was der Norden für uns bereit hält.

Justus

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Re: Von Hamburg in die Arktis: Arved Fuchs startet Expeditio

Beitragvon Anita » Di 14. Aug 2018, 13:13

Liebe Uli,
vielen Dank für die ständigen Updates. Es ist immer interessant und spannend, die Einträge zu lesen [tschuess]
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Re: Von Hamburg in die Arktis: Arved Fuchs startet Expeditio

Beitragvon UliS » Sa 18. Aug 2018, 10:12

Arved Fuchs Expeditionen - Quelle

Es war eine lange Seestrecke von Tasiilaq bis an die Westküste Grönlands - durch den spektakulären Prinz Christian Sund bis nach Qartortoq.
VIDEO: https://www.facebook.com/24824702852329 ... 574631559/


Die Crew der "Dagmar Aaen" um Arved Fuchs hat auf dem Weg nach Siorapaluk die Melville Bucht durchquert
VIDEO: https://www.facebook.com/24824702852329 ... 893366806/
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Re: Von Hamburg in die Arktis: Arved Fuchs startet Expeditio

Beitragvon UliS » So 19. Aug 2018, 10:36

Arved Fuchs Expeditionen
OCEAN CHANGE 2018
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Sechs Jahre nach dem letzten Besuch in der nördlichsten Gemeinde der Welt hat Arved Fuchs in #Siorapaluk alte Bekannte der Avanersuaq-Expedition wiedergetroffen...

18.08.2018 Siorapaluk

Siorapaluk ist die nördlichste Siedlung der Welt. Zumindes ist es der nördlichste Platz auf Erden, der die längste durchgehende Besiedelungsgeschichte aufweist. Lediglich 40 Menschen zählt die Bevölkerung noch. Tendenz abnehmend. Seit Urzeiten ist es die Heimat der Inughuit, der Polarinuit.

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Sechs Jahre ist es her, dass Brigitte und ich das letzte Mal in Siorapaluk waren. Entsprechend gespannt sind wir, ob wir unsere alten Freunde von damals wiedertreffen werden. 2012 hatten wir gemeinsam mit den beiden Jägern Ikuo und Qidlugtuq - beide aus Siorapaluk - den ersten Abschnitt einer schwierigen Hundeschlittenexpedition durchgeführt, die uns gleich zweimal über das grönländische Inlandeis geführt hat. Solche gemeinsamen Erlebnisse schweißen zusammen. Kaum haben wir die ersten Schritte an Land gemacht, als uns auch schon einer der beiden Jäger, Quidlugtuq, entgegenkommt und vor Begeisterung strahlt. Er hat uns sofort erkannt. Der sonst so zurückhaltende Mann nimmt zunächst Brigitte in den Arm, drückt sie, und dann mich. Es ist ein anrührender Moment. Die Wiedersehensfreude ist echt und steht ihm ins Gesicht geschrieben. Zeit hat in diesen Breiten eine andere Bedeutung. Was sind schon sechs Jahre? Ganz gleich wie lange man sich nicht gesehen hat, einmal gschlossene Freundschaften sind zeitlos, überdauern Jahrzehnte.

Avanersuaq-Expedition 2012

Wir suchen gemeinsam Ikuo in seinem Haus auf, sitzen in seiner Küche und trinken Kaffee. Aus seinem Küchenfenster sehen wir die "Dagmar Aaen" vor Anker liegen. Klar wollen beide an Bord und das Schiff sehen. Wenig später sitzen wir zusammen mit den Jägern und der Crew in der gemütlichen Messe an Bord, jeder wieder mit einer Tasse dampfenden, schwarzen Kaffee vor sich. Es ist eng und heiß und stickig, aber urgemütlich. Ikuo erzählt uns die letzten Neuigkeiten aus der Region. Wir haben für die beiden je ein Buch über unsere Hundeschlittenexpedition mitgebracht. Lesen können sie es nicht, aber die Fotos, auf denen die beiden zu sehen sind, lösen Begeisterung und Heiterkeitsstürme aus.

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Stundenlang tauschen wir Neuigkeiten aus, erst spät am Abend fahren die beiden wieder an Land. Am nächsten Tag geht es mit der "Dagmar Aaen" in den Robertson Fjord bis zum Mehan Gletscher. Eine gewaltige Gletscherzunge wälzt sich aus 1400 Metern Höhe bis zum Fjord hinunter. Hier sind wir damals mit unseren Hundegespannen bis auf das Hochplateau aufgestiegen. Eine unglaublich einprägsame aber auch strapaziöse Tour. Sechzig Tage und rund achthundert Kilometer sind wir damals unterwegs gewesen. Am Fuß des Gletschers zu stehen und in Erinnerungen zu schwelgen, hat schon etwas Besonderes. Es ist als ob man eine Reise in seine eigene Biografie unternimmt.

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Re: Von Hamburg in die Arktis: Arved Fuchs startet Expeditio

Beitragvon Anita » So 19. Aug 2018, 13:47

Einfach ein tolles Erlebnis [prima] Allerdings: Ich lese lieber darüber, als dass ich mitfahre....
Danke Uli [tschuess]
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Re: Von Hamburg in die Arktis: Arved Fuchs startet Expeditio

Beitragvon UliS » Mo 20. Aug 2018, 21:24

Arved Fuchs Expeditionen - Quelle
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Einen Flensburger im fernen Qaanaaq anzutreffen ist auch nicht alltäglich. Doch der deutsche Arzt Dr. Karl Vitt arbeitet schon lange im dortigen Krankenhaus und erzählte der interessierten Crew nun, wie grönländische Krankenhäuser überhaupt funktionieren...

19.08.20018 Qaanaaq

Heute erreichen wir Qaanaaq, dieser Ort liegt malerisch am Berghang am Murchison Sund. Im Mai 1953 wurden die Einheimischen kurzer Hand und ohne eine angemessene Entschädigung von Thule hierhin umgesiedelt. An ehemaliger Stelle wurde die dortige US-Militärbasis im Kalten Krieg erweitert und die Bewohner mussten ihre Häuser verlassen. In der Bucht vor dem Ort treiben viele kleine und große Eisberge. Einen Hafen gibt es nicht. Wir suchen eine gute Ankerstelle, nicht zu flach, dass wir auch bei Niedrigwasser nicht auf Grund laufen, aber auch nicht zu tief, so dass wir von den großen Eisbergen verschont bleiben, die wegen ihres Tiefganges zuvor auf Grund laufen. Die rund um die Uhr eingeteilte Ankerwache muss hier besonders aufmerksam sein.

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Qaanaaq hat ca. 600 Einwohner, darunter viele Jäger und Fischer, Schlittenhunde liegen überall an ihren Ketten. Neben einem Supermarkt findet sich eine Kirche, ein Museum mit sorgfältig zusammengestellten Exponaten der Inuit aus verschiedenen Jahrhunderten, eingeteilt nach den verschiedenen Einwanderungswellen. Zudem finden sich Überreste verschiedener Expeditionen u.a der von Robert Peary.



Unsere Aufmerksamkeit gilt bei diesem Aufenthalt auch der medizinischen Versorgung der Bevölkerung in dieser abgelegenen Region. Wir besuchen das örtliche Krankenhaus, in dem derzeit der Flensburger Chirurg Dr. Karl Vitt vertretungsweise arbeitet. Er ist hier weit und breit der einzige Arzt und für ca. 2.000 Einwohner verteilt auf 660.000 km2 zuständig. Die umliegenden Ortschaften sind z. T. mit Medikamentendepots ausgestattet. Dr. Vitt ist hier für alle möglichen medizinische Herausforderungen zuständig. Er kümmert sich um die Schwangeren, die Neugeborenen, sowie die Kinder - Vorsorgeuntersuchungen, Impfprogramme, alle möglichen Verletzungen, Infektionen, Herzerkrankungen, Asthmabeschwerden bis hin zu psychischen Erkrankungen. Ihm stehen sieben Mitarbeiter zur Verfügung. Ein Anästhesist oder eine Anästhesieschwester ist nicht dabei. Im Krankenhaus findet sich ein kleiner Operationssaal, eine Reanimationseinheit für Neugeborene, ein EKG, ein Ultraschallgerät, eine Röntgenanlage sowie ein Labor. Unterstützt wird er durch ein gut organisiertes Netzwerk an Fachspezialisten in Dänemark, die ihm telemedizinisch zur Seite stehen. EKG - oder Röntgen - Untersuchungen werden in kürzester Zeit befundet und helfen beispielsweise dabei die Notwendigkeit einer Verlegung besser zu beurteilen.

Die Verständigung mit den Patienten ist aufgrund der verschiedenen Dialekte auch mit Dolmetschern nicht immer einfach. Hier hat Dr. Vitt mit der Zeit auch gelernt die nonverbalen gestikulierenden Mitteilungen als wichtige Informationen mit aufzunehmen. Die Körpersprache sei in manchen Fällen sehr eindeutig und diagnosespezifisch.

Patienten, die operativ versorgt werden müssen, werden in der Regel mit dem Hubschrauber in die Hauptstadt nach Nuuk geflogen, Schwangere werden einige Wochen vor dem Termin zum Entbinden nach Ilulissat gebracht. Es kommt jedoch immer mal wieder vor, dass ein Kind früher kommen will und in Qaanaaq das Licht der Welt erblickt. Dr. Vitt hat als Chirurg die OP-Technik des Kaiserschnittes an der Charite in Berlin gelernt. Ohne Anästhesist ist es vor Ort jedoch ein schwieriges Unterfangen, da er gleichzeitig für die Narkose, die Operation und für das Neugeborene zuständig ist. Hebammen gibt es hier nicht. Ein Zahnarzt kommt sporadisch vorbei. Die Gesundheitsversorgung ist in Grönland für alle kostenfrei. Dr. Vitt findet das Arbeiten in dieser Abgeschiedenheit sehr spannend und fragt sich jeden Morgen, welche besondere Überraschung ihn wohl an diesem Tag herausfordert.

An Bord sind wir froh alle gesund zu sein, seit der letzten Überfahrt aus Island ist auch keiner mehr seekrank geworden. Für Notfälle an Bord weit ab von jeder medizinsichen Versorgung sind wir übrigens gut ausgerüstet und auch durch verschiedene regelmäßige Trainingseinheiten gut vorbereitet. Zuletzt mit der DGzRS in der Geltinger Bucht und ein erweitertes Erste-Hilfe-Training im April mit der DRF und der Hamburger Berufsfeuerwehr. Zur Abreise laden wir Dr. Vitt noch zu uns an Bord ein und er berichtet der Crew von den Besonderheiten seines Einsatzes. Danach lichten wir den Anker und treten unter Segeln unsere Weiterreise an.

Alex

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