Von Hamburg in die Arktis: Arved Fuchs startet Expedition

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Re: Von Hamburg in die Arktis: Arved Fuchs startet Expeditio

Beitragvon UliS » Mo 16. Jul 2018, 17:20

Arved Fuchs Expeditionen - Quelle
OCEAN CHANGE 2018

Die stürmische Rückkehr nach Island hat die Crew überstanden, nun muss im Hafen von Keflavik auf einen Sliptermin gewartet werden. Nur wenn der Haikutter aus dem Wasser kommt, kann die notwendige Reparatur stattfinden...

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15.07.2018 Keflavik

Seit vier Tagen liegen wir nun schon in Keflavik und hoffen auf einen Sliptermin auf der Werft. Die Reparatur an der Schraube kann nur durchgeführt werden, wenn das Schiff aus dem Wasser ist, da der Antriebspropeller dafür komplett zerlegt werden muss. Leider sind wir nicht die einzigen, die auf einen Termin warten. Die Werft ist eigentlich bis September komplett ausgebucht und eine Alternative gibt es nicht.

Gestern hat man uns immerhin zugesichert, dass wir am Donnerstag, den 19. Juli, aus dem Wasser kommen. Das ist letztlich allein dem Verhandlungsgeschick Siggas zu verdanken, die das Management der Werft irgendwie überzeugen konnte, uns dazwischen zu schieben. Isländer halten eben zusammen! Wenn alles klappt, sollten wir am 20. Juli wieder abgeslipt werden und könnten dann - wenn das Wetter mitspielt - am Sanmstag aufbrechen. Um ganz ehrlich zu sein - die Wartezeit nervt!

Wir sind natürlich alle wegen des Zeitverlustes ein wenig frustriert. Aber erzwingen kann man nichts. Technische Defekte können trotz sorgfältiger Vorbereitung passieren. Der Ermüdungsbruch eines verborgenen Bauteils - vermutlich in Folge eines Materialfehlers - welches erst vor drei Jahren vorsorglich ausgetauscht und erneuert worden ist, war nicht zu erwarten, So haben wir die Zeit genutzt um weitere Strandsammlungen durchzuführen und das Schiff für die bevorstehenden Etappen vorzubereiten. Es gibt schließlich immer etwas zu tun. Wir machen das Beste aus der Situation. "Never give up!", lautet die Devise.

Allen Widrigkeiten zum Trotz hat die "Dagmar Aaen" auf der teilweise recht stürmischen Rückreise nach Island ihre Qualitäten einmal mehr unter Beweis gestellt. Und das hat trotz der Umstände richtig Saß gemacht!


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Re: Von Hamburg in die Arktis: Arved Fuchs startet Expeditio

Beitragvon UliS » Do 19. Jul 2018, 09:40

Arved Fuchs Expeditionen - Quelle
OCEAN CHANGE 2018

Die "Dagmar Aaen" soll am heutigen Donnerstag endlich in die Werft gehen. Während der entstandenen Wartezeit haben Teile der Crew eine zweitägige Reise unternommen, um erneut eine Müllsammlung vorzunehmen. Auf der Reykjanes Halbinsel führten sie eine Plastiksammlung durch und haben Unmengen an Müll gesammelt ...

Video: https://www.facebook.com/24824702852329 ... 352914344/

18.07.2018 Keflavik

Die erste Woche Wartezeit ist um. Wir haben die Zeit jedoch sinnvoll genutzt. Neben den vielen kleinen und großen Reparaturarbeiten, die nach mehreren Wochen auf See anfallen, haben wir unter Deck geputzt, gebacken, genäht, poliert und mit vielen frischen Zutaten lecker gekocht. Vor allem aber hat ein Teil der Crew einen Ausflug entlang der Südküste gemacht und dort gleichzeitig noch zwei Plastiksammlungen im Rahmen der Expedition Ocean Change an unterschiedlichen Stränden durchgeführt.

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Wie so oft auf Reisen hat uns der Zufall geholfen und uns mit einem Umweltschützer aus Island zusammengeführt. Tómas J. Knútsson ist passionierter Taucher und Gründer der „Blue Army of Iceland“. Sein Ziel ist es, so viel Plastikmüll wie möglich an der Küste Islands einzusammeln. Er und die Blue Army – ein Zusammenschluss von Familie, Freunden und Firmen aus Tómas Umfeld – säubern Strände in Island seit 1995. In dieser Zeit wurden in mehr als 200 Projekten mit über 6000 Freiwilligen über 1400 Tonnen Plastik eingesammelt. Eine beachtliche Lebensleistung! Heute sind die umfänglichen Daten der Blue Army interessant für Wissenschaft und Forschung.

Gemeinsam sind wir zum Strand Sandevik auf der Reykjanes Halbinsel gefahren, zu einem Abschnitt der noch nie gesäubert wurde. Dementsprechend lag der gesamte Küstenabschnitt voll mit Müll. Ziemlich schnell haben wir beschlossen, unseren Untersuchungsabschnitt von normalerweise 100m auf 50m zu reduzieren, da die schier unendliche erscheinende Menge an Plastikmüll uns sicher den ganzen Tag beschäftigt hätte. Insgesamt wurden von uns auf einer Fläche von 50m mal 12m im Spülsaum rund 54kg Plastikmüll gesammelt, in diesem Fall waren rund 90 Prozent Fischereimüll. Netze, Bojen, Tauwerk, Boxen, FlipFlops und vor allem viele Kleinteile waren dabei, zum Teil recht neu, zum Teil aber auch über 15 Jahre alt. Die Blue Army wird den gesamten Küstenabschnitt mit rund 200 Personen im Rahmen des Coastal Cleanup Day am 15. September komplett säubern – wir sind gespannt, wieviel Kilogramm sie sammeln werden. Zusammen mit unserem Partner CleanSeas.org werden wir übrigens in Grönland ebenso am Coastal Cleanup Day teilnehmen.

Katla Geopark

Unsere zweitägige Reise führte uns weiter entlang der Südküste in den UNESCO Katla Geopark. Dort haben wir weitere kleine Strandsammlungen vorgenommen, wobei diese Strände, insbesondere an den Touristenhotspots, regelmäßig gesäubert werden. Die Landschaft in Island ist atemberaubend und wir wissen nun, warum so viele Sagen von Trollen, Elfen und auch Hobbits diesem Land entspringen. Der Katla Geopark ist geprägt von Vulkanen, Gletschern, Wasserfällen, heißen Quellen und endlosen schwarzen Stränden. Den ersten Tag sind wir hinauf gewandert zum Gletscher Myrdallsjökull, der den Katla Vulkan überspannt. Es ist übrigens der große Bruder des Eyjafjallajökull, dessen Vulkan 2010 für erhebliche Beeinträchtigungen im europäischen Flugverkehr gesorgt hat.

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Den zweiten Tag haben wir damit verbracht die endlosen schwarzen Strände entlang zu wandern und versucht Fotos von Papageientauchern zu schießen. Diese kleinen schwarz-weißen Torpedos mit orangem Schnabel sind nicht nur sehr gute Taucher, sondern auch schnelle Flieger und im Flug entsprechend schwer vor die Linse zu bekommen. Papageientaucher oder auch Puffins sind übrigens stark von dem Wandel der Ozeane oder drastisch ausgedrückt der Erdeerhitzung bedroht. Auch wenn dem ein oder anderen Tourist dieser Vogel als Delikatesse verkauft wird – Isländer essen heutzutage eigentlich keine Puffins mehr – liegt das eigentliche Problem im radikalen Wandel der Umweltbedingungen. Ihre Hauptnahrungsquelle auf Island sind Sandaale und Sprotten, wenn diese aufgrund von Temperaturänderungen ausbleiben oder ganz verschwinden, können erwachsene Tiere zwar auf Hering umsteigen, jedoch ist dieser Fische zu groß für die kleinen Küken und sie müssen verhungern.

Zurück auf dem Schiff werden wir nun alles fertig machen für den Slip. Für die Werft soll alles optimal vorbereitet sein und das passende Werkzeug parat liegen, damit wir unsere Reise schnellstmöglich und sicher fortsetzen können.

Justus Riedlinger

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Re: Von Hamburg in die Arktis: Arved Fuchs startet Expeditio

Beitragvon Anita » Do 19. Jul 2018, 14:29

Danke für das Update.
Die Bilder sind toll!
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Re: Von Hamburg in die Arktis: Arved Fuchs startet Expeditio

Beitragvon UliS » Sa 21. Jul 2018, 13:21

Arved Fuchs Expeditionen - Quelle
OCEAN CHANGE 2018

Die Reparatur an der "Dagmar Aaen" ist vollbracht - die Zugstange zum Verstellen des Anstellwinkels der Schraubenblätter war sogar dreifach gebrochen. Die Entscheidung, nach Island zu fahren war daher komplett richtig. Einen Überblick über die schweren Arbeiten in der Werft gibt es im neuen Logbucheintrag.

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20.07.2018 Keflavik

Endlich ist es soweit. Der Motor des Schleppers springt an und die an Deck in der Sonne Wartenden springen auf. Kurze Zeit später sind wir längsseits am Schlepper vertäut und es geht langsam Richtung Werft. Immer wieder werden die Taue nachgespannt, damit die Reibung zwischen den beiden Schiffen nicht zu groß ist. Im Werfthafen übernehmen die geübten Werftarbeiter.

Stück für Stück werden wir auf den richtigen Abstand von der Pier gebracht und dann auf dem Slipwagen an Land gezogen. Die Dagmar ist vielleicht nicht das kleinste Schiff, zwischen den größeren Fischereischiffen wirkt sie jedoch winzig. Arved beugt sich weit über die Reling und schaut sich noch von Bord die Schraube an. „Wir kommen gleich!“ ruft er ihr zu. Wir sind alle sehr gespannt was uns erwartet!

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Die Werftmitarbeiter stellen uns eine Leiter, eine kleine provisorische Arbeitsbühne entsteht unterhalb der Schraube und das notwendige Werkzeug wird bereitgelegt. Die Bolzen an der Schraube lösen sich leider nicht so einfach, doch nach einigen Versuchen, Kraft und Spucke geben sie nach. Sorgfältig werden die Einzelteile nach und nach abgebaut, gereinigt und sortiert. Dann kommt der spannende Moment: Die Zugstange zum Verstellen des Anstellwinkels der Schraubenblätter ist wie vermutet gebrochen. Und das nicht nur einmal, sondern gleich dreimal. Wir vermuten, dass wir ein massives Hindernis überfahren haben müssen, welches sich im Propeller verfangen hat. Darauf lassen auch tiefe Kratzer am Rumpf schließen. Zwei der drei Bruchstücke stecken fest im sogenannten Segment, das Verbindungsstück zwischen Zugstange und Schraubenblättern zum Einstellen das Anstellwinkels. Die Bruchstücke herauszulösen ist eine größere Herausforderung. Es werden Löcher gebohrt, Schrauben und Bolzen verschweißt. Nur durch die enorme Hilfsbereitschaft und Geschicklichkeit eines Werftmitarbeiters - der nach Feierabend noch gute drei Stunden für uns da war - konnten alle Stücke sauber entfernt werden. Dank der Mitternachtssonne und bestem Wetter konnten wir bis Mitternacht arbeiten.

Am nächsten Morgen beginnen Arved, Krischan und Thomas in aller Früh den Propeller wieder zusammenzubauen, leider hat der Wind gedreht und so wird den ganzen Tag im Regen gearbeitet. Erschwerend kommt noch die Feinjustierung der neuen Zugstange und des alten Segments hinzu, welche nur mit Hilfe einer Druckluftfeile der Werft zueinander findet. Die Entscheidung nach Island zurück zu kehren und so lange auf den Sliptermin zu warten, hat sich als goldrichtig erwiesen, nur hier in der Werft ist es uns möglich dieses komplexe Problem zu beheben.

Am Ende muss noch unerwartet das mehrere hundert Kilo schwere Ruderblatt ausgehängt werden, um die Zugstange wieder in die Welle zu bekommen. Gesagt getan. Flaschenzug, Hebebühne, Bolzen lösen, alles sichern und wieder zusammenbauen. Zugstange, Schraubenblätter, Segment, Bolzen. Das alles bei strömendem Regen und Wind. Bis auf die Unterwäsche durchgeweicht und frierend gibt es in der warmen Messe Mittagessen. Danach kommt das Fett. Eine gut gefettete Welle ist das A und O, also wird es jetzt eimerweise in die Welle eingespritzt, um die neue Zugstange gut zu betten. Morgen folgt die Testfahrt in der Bucht von Reykjavik. Wir sind gespannt und werden berichten.

Lauren und Justus

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Re: Von Hamburg in die Arktis: Arved Fuchs startet Expeditio

Beitragvon Anita » Sa 21. Jul 2018, 16:17

Dann wird es ja bald weitergehen [prima]
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Re: Von Hamburg in die Arktis: Arved Fuchs startet Expeditio

Beitragvon UliS » Di 24. Jul 2018, 09:38

Arved Fuchs Expeditionen
OCEAN CHANGE 2018

Die "Dagmar Aaen" befindet sich aktuell wieder auf See und steuert auf die Ostküste Grönlands zu. Im kurzen Video erklärt Arved Fuchs wie sich die Crew die Zeit vor dem Werfttermin vertrieben hat.

Video: https://www.facebook.com/24824702852329 ... 838806762/
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Re: Von Hamburg in die Arktis: Arved Fuchs startet Expeditio

Beitragvon UliS » Sa 28. Jul 2018, 10:47

Arved Fuchs Expeditionen - Quelle
OCEAN CHANGE 2018

Die neue Zugstange hält, die Expedition wurde fortgesetzt. Von Keflavik ging es auf direktem Weg an die Ostküste Grönlands, nach Tasiilaq. Selten zuvor sah Arved Fuchs derart wenig Eis in der Bucht wie bei der aktuellen Anfahrt...

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27.07.2018 Auf See von Keflavik nach Tasiilaq

Die neue Zugstange hat die Testfahrt in der Bucht von Reykjavik bestanden! Es ist Samstagabend, die Stimmung gelöst und alle sind erleichtert. Der Kapitän lädt zum Drink ein.
Am Sonntag in der Früh, nachdem der Zoll an Bord war, setzen wir Segel Richtung Tasiilaq, der „Perle“ an Grönlands Ostküste. Die größte Stadt der Ostküste auf der Halbinsel Ammassalik spiegelt Grönland konzentriert in all seiner Schönheit, mit all seinen sozialen Problem, die mit dem erzwungenen Wandel der Lebensumstände einhergehen. Eine Stadt so weit abgelegen, dass die Regale im Supermarkt nur in den drei Sommermonaten frisch befüllt werden können. Eine Region geprägt vom Wandel der modernen Gesellschaft einer „Groß“stadt und den halb nomadisch lebenden Jägern draußen in den Fjorden entlang der Küste.

Dies ist für uns aber noch in weiter Ferne. Die Neuen an Bord müssen sich erst einmal einfinden und das ein oder andere Seebein muss noch wachsen. So segeln wir die ersten beiden Tage bei einer frischen Brise und bedecktem Himmel vom Rhythmus der Wachen geprägt mit Kurs West. Unseren ständigen Begleiter auf der Überfahrt sind die eleganten Eisstürmvögel, die immer wieder die Aufwinde vom Schiff und den Wellen nutzen, um längsseits an der Bordwand entlang zu gleiten. Am zweiten Tag werden wir über einen längeren Zeitraum von einer Grindwal-Familie begleitet. Um so näher wir der grönländischen Küste kommen, um so öfter sehen wir auch Zwerg- und Buckelwale sowie einen Finwal.

Am dritten Tag auf See fällt die Wassertemperatur deutlich, der Wind dreht auf West und flaut deutlich ab, der Himmel klart auf. Ab jetzt halten wir Ausschau nach Eisbergen. Und pünktlich zum Nachmittagskaffee zeigt sich auch das erste Eisschloss am Horizont, der Radar zeigt eine Entfernung von 13 Meilen an. Von jetzt an heißt es während der Wachen besonders gut aufzupassen. Auf dem Vorschiff wird Eiswache gegangen, bei der Mitternachtsonne lassen sich jedoch auch die ganze Nacht hindurch Eisbrocken im Wasser gut erkennen. Gefährlich sind für uns nicht die großen Berge, sondern die kleinen sogenannten Grauler. Bruchstücke, die fast nicht aus dem Wasser schauen, jedoch auch mehrere Tonnen schwer sind. Ein Zusammenstoß bei voller Fahrt ist daher unbedingt zu vermeiden.

Morgens gegen 5 Uhr erreichen wir die Küste, von jetzt an fahren wir in einer Landschaft wie im Märchen der Eisprinzessin. Jedoch müssen wir feststellen, dass auch hier die Hitzwelle angekommen ist. Arved erklärt, dass er noch nie so wenig Eis gesehen hat in diesem Teil Grönlands. Das See- bzw. Packeis fehlt komplett, die Eisbedeckung der Seefläche ist gering und es sind nur verhältnismässig wenige Eisberge zu sehen. Die Süßwassereisberge entstammen Kalbungen der Ostküstengletscher und werden von der Strömung bis hinunter zum Kap Farvel getragen, von dort können sie bei entsprechender größe bis nach Kanada wandern. Ebenso die Ansteuerung nach Tassilaq gelingt uns zwischen den Eisbergen fast mühelos.

Dort erfahren wir von Arveds Bekannten, dem Tiroler Bergsteiger und Abenteurer Robert Peroni, dass das Versorgungsschiff bereits Ende Juni das erste Mal in den Hafen einlaufen konnte. Er zeigt sich besorgt über den besonders stürmischen Winter und erzählt uns, dass verhältnissmäßig viel Schnee in den Bergen liegt. Auch in Grönland sind die besonderen Wetterverhältnisse in diesem Jahr zu spüren. Robert hat bereits im Jahre 1983 das Inlandeis in Grönland durchquert und sich in Tassilaq niedergelassen. Er bereitet uns einen sehr herzlichen Empfang und wir freuen uns bereits sehr auf seinen Gegenbesuch hier an Bord.

Jetzt liegt die "Dagmar Aaen" wie gemalt in der Eisbucht vor den farbenprächtigen Häusern Tasiilaqs vor Anker und wir freuen uns darauf, die Stadt weiter zu erkunden.

Justus

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Re: Von Hamburg in die Arktis: Arved Fuchs startet Expeditio

Beitragvon UliS » Do 2. Aug 2018, 10:16

Arved Fuchs Expeditionen - Quelle
OCEAN CHANGE 2018

Der vorerst letzte Crewwechsel für die kommenden fünf Wochen hat in Kulusuk stattgefunden. Durch den malerischen Prinz Christian Sund ging die Fahrt weiter bis zur kleinen Gemeinde Qaqortoq.

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01.08.2018 Tasiilaq

Die Expedition hat wieder Fahrt aufgenommen. Wir laufen vor dem Wind und mit günstiger Strömung mit über acht Knoten durch die helle Nacht Richtung Süden. Es ist gut wieder etwas verlorene Zeit aufzuholen und alle an Bord freuen sich über die schnelle Fahrt. Heute wollen wir durch den Ikerasassuaq (Prinz Christian Sund) den langen Weg um das Kap Farvel abkürzen, eine malerische Durchfahrt durch steile Bergschluchten steht uns bevor.

Am Samstag hat der letzte Crewwechsel für die kommenden fünf Wochen in Kulusuk stattgefunden - Freda hat uns leider verlassen, dafür sind Elise, Frank, Alex und Volker hinzugekommen. Der Flughafen in Kulusuk diente bis 1991 einer amerikanischen Radarstation als Militärstützpunkt, heute gleicht er einem Provinzbahnhof mit Wohnzimmeratmosphäre. Der Check-in Schalter, die Abfertigungshalle, das Restaurant und der Duty-free-Shop sind ein einziger ca. 50qm großer Raum. Von der Wand bröckelt der Putz, über der Gepäckabgabe ist ein Eisbärfell aufgehängt. Der Ort selbst lädt nicht weiter zum Verweilen ein und leidet darunter, dass er für alle Reisenden eigentlich nur als zwangsläufige Durchgangsstation nach Tasiilaq gesehen wird. Wir sind nun bis auf die sogenannte Notkoje im Vorschiff, normalerweise dient diese als Stauraum, mit elf Frauen und Männern voll besetzt.

Vor unserer Abfahrt haben wir noch die Vorräte aufgestockt und konnten am Freitagnachmittag noch verschiedene Ausflüge unternehmen. Brigitte, Thomas und Peter sind in das Tal der Blumen gewandert und Freda, Kristian, Lauren und Justus sind auf den Hausberg gestiegen. Von dort hatten wir einen atemberaubenden Blick entlang der Ostküste Richtung Süden, auf das Inlandeis im Westen, auf die Stadt und die nun Ameisengroße "Dagmar Aaen" im Norden und auf die Bucht von Ammassalik mit ein paar kleinen und großen Eisbergen im Osten. Es tut gut, sich nochmal die Beine zu vertreten, an Bord sind die Wegstrecken doch recht kurz.

Die Ostküste ist mit den steilen Bergen, die aus dem Meer wachsen und von den Gletschern auseinandergesprengt werden, überwältigend. Das Wetter erlaubt es, stundenlang an Deck zu sitzen und diese schöne alpine Landschaft an sich vorbeiziehen zu lassen. Wir sind alle begeistert und einzig die Wale und Eissturmvögel lenken vom Panorama ab. Wir schmieden schon Pläne für die nächste Reise an diesen Teil der Ostküste. Diesmal soll unser Ziel aber der Nordwesten Grönlands sein.

Sorgen macht uns nur, dass wir so wenig Eis sehen. Im Reiseführer steht geschrieben, die eisige Ostküste ist selbst im Sommer von einem dichtem Pack- und Treibeisgürtel fest umschlungen. Wir hingegen können derweil direkt an der Küstenlinie fahren, Eisberge kommen nur vereinzelt vor und stellen kein Problem für uns dar. Arved berichtet, dass der Weg durch den Sund nach Qaqortoq, unserem nächsten Hafen, mitunter selbst im Sommer nicht frei zugänglich und der weite Weg ums stürmische Kap Farvel die einzige Möglichkeit war, dem schweren Eis aus dem Weg zu gehen und nicht Gefahr zu laufen eingeschlossen zu werden. Diesen Weg müssen wir diesen Sommer sicherlich nicht nehmen.

Justus

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Re: Von Hamburg in die Arktis: Arved Fuchs startet Expeditio

Beitragvon UliS » Mo 6. Aug 2018, 09:22

Arved Fuchs Expeditionen - [url][/url]
OCEAN CHANGE 2018

In der größten Stadt im Süden Grönlands hat sich das Team auf Spurensuche zum Thema Energiewende in Grönland begeben. In Qaqortoq bekamen Arved & Co. einen Eindruck davon, wie schwierig es für das Land ist, eine Art Vorreiter bei den Erneuerbaren Energien zu werden.

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05.08.2018 Qaqortoq

Qaqortoq ist die größte Stadt im Süden Grönlands, dort laufen wir am frühen Mittwochvormittag ein und werden nach vier Tagen auf See von Mitarbeitern des grönländischen Energieversorgers NUKISSIORFIIT freundlich empfangen. Mit dem Regionalchef Südgrönlands Lars Hoffmeyer und seinem leitenden Ingenieur Michael Benjamin Christensen haben wir bereits im Vorfeld intensiven Kontakt gehabt und wir freuen uns sehr auf die Begegnung mit ihnen. Besonders Michael scheint sich auch sehr auf uns zu freuen, er ist früher selbst zur See gefahren, hat 25 Jahre in Mosambik gelebt und es scheint uns, dass dieser Mann viele spannende Geschichten zu erzählen hat. Erstmal führen wir die beiden auf der "Dagmar Aaen" herum und sie sind restlos begeistert von unserem alten Dame.

Am nächsten Tag fährt Michael im neuen Elektromobil der Firma an der Hafenkante vor – wir bekommen eine erste Idee davon, dass hier das Wort Energiewende ernst genommen wird und alle Mitarbeiter begeistert sind ihre Energieversorgung auf saubere Quellen umzustellen. Unsere erste Station auf unserer Tour ist das Heizkraftwerk Qaqortoqs, dort sind drei konventionelle Dieselheizkessel installiert. Keine besonders effizente Art Wärme zu erzeugen, jedoch darf man Grönland nicht mit Europa vergleichen. Die installation eines Kohlekraftwerks würde sich aufgrund der Größenordnung nicht lohnen, Gasimporte ohne Leitung erfordern ebenso ein komplexe Hafeninfrastruktur. Allerdings wurde bereits der erste Elektrodenheizkessel mit einer Leistung von 1 Mega Watt installiert. Mit diesem kann Strom aus dem nahegelegenen Wasserkraftwerk in Wärme umgewandelt werden. Das heiße Wasser wird über dick isolierte Rohre in die meisten der Haushalte in der Stadt verteilt. Der Vorteil eines solchen Fernwärmesystems ist, dass die Versorgung relativ einfach auf regenerative Energiequellen umgestellt werden kann.

Vom Heizkraftwerk fahren wir in die Zentrale der Firma. Dort treffen wir auch Lars wieder und schauen uns als erstes zwei alte Dieselmotoren mit einer Leistung von je 1,6 Mega Watt an. Installiert wurden diese im Jahre 1990, heute laufen sie jedoch nur noch als Backup zum Wasserkraftwerk. Das Wasserkraftwerk liegt außerhalb der Stadt, rund 70km entfernt und hat eine Leistung 7,6 Mega Watt.

In der Zukunft soll der Diesel durch ein Wind-Solar-Batterie Kombikraftwerk ersetzt werden. Ein erstes Pilotprojekt wurde in dem nahgelegenen Ort Igaliku installiert. Dort werden nun erste Erfahrungen gesammelt, die jedoch bisher sehr positiv sind. In den langen Polarwintern produzieren die Windkraftanlagen genügend Strom, im Sommer in Kombination mit den Photovoltaik Anlagen ist sogar mehr als genug Strom vorhanden.

Uns ist es leider nicht möglich das Wasserkraftwerk und das Wind-Solar-Kombikraftwerk zu besuchen, beides würde uns insgesamt drei Tage kosten, da wir mit Dagmar durch die engen Fjorde und aufgrund des Eises mit reduzierter Geschwindigkeit navigieren müssten. Unser Ziel ist weiterhin der hohe Norden und wir haben in Island zu viel Zeit verloren. Daher sind wir sehr dankbar, dass Lars uns das grönländische Energieversorgungssystem und die Details des Kombikraftwerks in einer kleinen Präsentation vorstellt.

Grönland ist besonders stark vom Klimawandel betroffen, daher würde das Land gerne Vorreiter bei den Erneuerbaren Energien werden. Dies ist gar nicht so einfach, da das gesamte Land stark von importierter Energie abhängig ist und das Stromnetz aus über 70 einzelnen Inselsystemen besteht. Das heißt, es gibt kein Verbundnetz, in welchem es deutlich einfächer wäre Erzeugung und Verbrauch auszugleichen. Durch den konsequenten Bau neuer Wasserkraftwerke in den letzten zwei Jahrzehnten konnte der Anteil an Wasserkraft im Stromsektor auf 67,5 Prozent erhöht werden. Zusammen mit Wind- und Photovoltaikanlagen sind es rund 70 Prozent regenerative Stromerzeugung, bereits für das Jahr 2030 will Grönland 100 Prozent erreichen. Insgesamt liegt der Anteil Erneuerbarer Energien am Primärenergieverbrauch bei rund 20 Prozent, das ist ein höherer Wert als bei uns in Deutschland. Für das Jahr 2030 ist es geplant den Anteil auf rund 60 Prozent zu erhöhen, auch hier liegt Grönland deutlich über dem für Europa angestrebten Wert!

Wir diskutieren noch lange mit Lars und Michael über die Zukunft der Energieversorgung und die Auswirkungen des Klimawandels in Deutschland. Die Begegnung ist so spannend, dass wir beschließen diese an Bord fortzuführen, Michael besorgt frischen Fisch vom lokalen Händler und wir schmeißen schonmal den Grill an. Sogleich gesellt sich auch noch die Crew vom Nachbarschiff, der Penduick VI, im Hafen hinzu. Das berühmte Schiff von Éric Tabarly wurde heute von seiner Tochter dem „Elemen‘Terre“ Projekt als Plattform zur Verfügung gestellt. Sie ist selbst mit an Bord und bringt auf der Reise Künstler mit Wasser- und Extremsportlern zusammen. Der Abend endet in einem Fußballspiel an der Pier – ein internationales Segelteam gegen die Dorfjugend. Grönland ist zwar kein Mitglied der FIFA, es war jedoch ziemlich eindeutig wer an diesem Abend mehr Energie hatte.

Justus
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Re: Von Hamburg in die Arktis: Arved Fuchs startet Expeditio

Beitragvon Anita » Mo 6. Aug 2018, 15:15

Es ist sehr verständlich, dass Grönland Vorreiter für die Erneuerbaren Energien sein wollen.
Ich habe die letzen beiden Berichte sehr genossen. Vor allem die Bilder sind von Justus haben mir sehr gefallen.
Danke Uli [tschuess]
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