Zoo Zürich - geplante Seilbahn

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Zoo Zürich - geplante Seilbahn

Beitragvon Anita » Do 14. Jun 2018, 11:38

Geplante Zoo-Seilbahn kann mit dem ZVV-Ticket benutzt werden

Seit über zehn Jahren möchte der Zoo, dass Besucher künftig auch auf dem Luftweg auf den Zürichberg gelangen. Das Projekt ist zum zweiten Mal öffentlich aufgelegt. Die Initianten haben nun ein Zugeständnis gemacht, das möglicherweise entscheidend ist.

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Vom Bahnhof Stettbach aus könnte künftig auch eine Seilbahn verkehren. (Bild: Nathalie Taiana / NZZ)

Dieses Mal soll es klappen: In fünf Jahren, so hoffen die Verantwortlichen, könnte eine Seilbahn Besucher vom Bahnhof Stettbach zum Zoo auf den Zürichberg transportieren. Seit Ende Mai liegen die Pläne öffentlich auf. Es ist der zweite Anlauf in dieser Angelegenheit. Das erste Projekt wurde 2014 durch ein Verwaltungsgerichtsurteil gestoppt, unter anderem, weil es aus Sicht des Gerichtes ungelöste Verkehrsfragen gab. Ausgerechnet in diesem Punkt überrascht nun die Planauflage. «Die ZVV-Fahrausweise werden anerkannt», heisst es darin. Mit dem Zürcher Verkehrsverbund sei eine Ticketlösung erarbeitet worden.

Auf den öV umsteigen
Tatsächlich ist die Benutzung der Seilbahn für Passagiere gratis, wenn sie ein für die Zone gültiges ZVV-Billet besitzen. «Die Seilbahn ist aber kein Teil unseres Verbundangebotes, sie wird nicht in den ZVV integriert und nicht von uns finanziert», sagt Sprecher Thomas Kellenberger auf Anfrage der NZZ. «Der Zoo ist mit dem bestehenden öV gemäss den gesetzlichen Vorgaben bereits genügend erschlossen», ergänzt Kellenberger.

Ein solches Zusatzangebot sei nicht auch noch über öffentliche Gelder zu finanzieren oder zu subventionieren. Eine Lösung wie bei dieser Seilbahn besteht auf ähnliche Weise zum Beispiel auf der Fähre über den Zürichsee (siehe Zusatztext).
Die Seilbahnfahrt sei nicht nur bei den ZVV-Tickets, sondern auch beim Generalabonnement inkludiert, erläuterte Zoodirektor Alex Rübel. Die detaillierten Konditionen müssten allerdings noch ausgehandelt werden.

Freizeitverkehr wird nicht finanziert
mvl. · Bei seiner letzten Strategieüberprüfung hat der Kantonsrat dem Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) einen klaren Auftrag erteilt: Er solle den Kostendeckungsgrad nach Möglichkeit steigern. Dieser liegt derzeit bei zwei Dritteln, was schweizweit einen Spitzenwert darstellt. Aufgrund der Kantonsratsforderung ist kaum denkbar, dass der ZVV ein Angebot wie die Zoo-Seilbahn in sein Programm aufnehmen würde.

Während der Pendlerverkehr der Taktlogik entspricht, weist der Freizeitverkehr wetter- und wochentagsbedingt grosse Schwankungen auf. Das führt dazu, dass Ausflugsziele oft schlecht mit dem öV erschlossen sind. Die Diskussion um den Freizeitverkehr flammt immer wieder auf. Zu reden gab jüngst der Schiffsfünfliber: Der Regierungsrat führte ihn ein, weil der Deckungsgrad der Zürichseeschifffahrt bei nur gerade einem Drittel liegt. Diesen Frühling ist die Regierung zurückgekrebst.

Im Falle der Zoo-Seilbahn liefe es auf eine spezielle Form hinaus: Inhaber eines ZVV-Billets sollen sie nutzen können, obwohl die Bahn nicht Teil des Verbunds ist. Das Modell gibt es bereits. Ein Beispiel ist die Zürichseefähre zwischen Meilen und Horgen, die vom ZVV aufgrund der Anzahl ZVV-Passagiere entschädigt wird. Momentan sind allerdings keine Entschädigungen für den Zoo als Betreiber vorgesehen, sagt ZVV-Sprecher Thomas Kellenberger. Eine Neubeurteilung sei bei stark veränderten Umständen aber nicht ausgeschlossen.


Die Verkehrsfrage ist insofern entscheidend, als der Zürcher Regierungsrat den Gestaltungsplan zum Projekt in der ersten Variante kritisiert hat. Der Zoo könne nicht einfach auf ein Verkehrskonzept für Stettbach verzichten. Die Initianten fanden ein solches unnötig, weil sie die Seilbahn als ÖV-Projekt sehen, das keinen zusätzlichen Autoverkehr auslöst.

Tatsächlich würde die Seilbahn einen Teil der Besucher dazu bewegen, auf den öffentlichen Verkehr umzusteigen, heisst es in einem der zahlreichen Gutachten, die der Planauflage beiliegen. Der Modalsplit, also die Verteilung des Aufkommens auf verschiedene Verkehrsmittel, verschiebe sich um rund 4 bis 4,5 Prozent in Richtung öV. Das entspreche 60 000 Fahrten im Jahr, die neu mit der Seilbahn statt wie bisher mit dem Auto absolviert würden.

Bedingung für diese Veränderung sei allerdings, dass es für die Benützung der Seilbahn kein separates Ticket brauche, sondern dafür das ZVV-Billett verwendet werden könne, halten die Autoren im Bericht weiter fest. Andernfalls sei der Modalsplit-Effekt geringer und wirke sich auch auf die Parkierungssituation im Raum Stettbach aus. Die Planer rechnen damit, dass im Jahr 2030 besonders an Sonn- und Feiertagen die Parkplatzsituation noch prekärer ist als heute. An über 70 Prozent aller Tage dürften freie Felder dann Mangelware sein.

Sicherheitsbedenken formuliert

Die Einsprache im Rahmen der ersten Planauflage unterschrieben rund 150 Gegner. Ein Teil davon ist im Verein «Zoo ohne Seilbahn» zusammengeschlossen. Rechtsvertreter Christian Widmer rechnet damit, dass es dieses Mal bis zu 200 Personen sein werden, die sich gegen das Seilbahnprojekt wehren. Die vom Zoo in Auftrag gegebenen Verkehrskonzepte zeigten auf, dass die Seilbahn vor allem am Wochenende mehr Autoverkehr generiere, weil die Leute von zu Hause bis zur Seilbahn-Talstation nicht mit dem öV anreisten, sagt Widmer. Von diesem Mehrverkehr könnte auch Schwamendingen betroffen sein, was bei den Anwohnern zu Widerstand führe.

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Die Gondeln der Zooseilbahn sollen in einer Höhe von rund 60 Metern verkehren. (Visualisierung: Zooseilbahn / F. Preisig AG)

Neben dem drohenden Verkehrskollaps wehren sich die Gegner auch gegen den Eingriff in das Landschaftsbild. «Wir wollen nicht, dass unser Naherholungsgebiet in Zürich Nord verschandelt wird.» Und die Kritiker führen ein drittes Argument an. Der Zoo plane mit höheren Masten und grösseren Kabinen. Bei einer allfälligen Evakuation könne man die Passagiere nicht mehr abseilen, sondern müsse Helikopter einsetzen. «Wir machen geltend, dass die Sicherheitssituation markant gefährlicher geworden ist», schliesst Widmer.

Nichts vom neuen Verkehrsmittel wissen wollte bis anhin auch die Stadt Dübendorf. Sie zählte ebenfalls zu den Rekurrenten. Ob sie zum zweiten Mal juristische Schritte in die Wege leitet, ist noch offen. Der Stadtrat will die neue Planauflage an einer Sitzung Ende Juni beraten. Es wird sich zeigen, ob das Gremium unter der Führung des neugewählten Stadtpräsidenten André Ingold (svp.) eine Kehrtwende vollziehen wird. Am Donnerstag war bei der Stadt niemand für eine Stellungnahme erreichbar.

Anders positioniert sich dagegen die Interessengemeinschaft Hochbord (IG Hochbord). Wie der der Verein «Zoo ohne Seilbahn» setzt sich die IG ebenfalls aus Quartiervertretern zusammen. «Wir beurteilen das Projekt grundsätzlich positiv und sehen darin ein progressives Verkehrskonzept», sagt IG-Präsident Markus Mosimann. Die Bedenken der Anwohner seien zwar teilweise berechtigt. Die Herausforderungen, die man im Raum Zürich aus verkehrstechnischer Sicht künftig bewältigen müsse, seien aber gross.
Die IG sei der Ansicht, man müsse in diesem Zusammenhang grossräumig und mutig denken. Es brauche visionäre Projekte, und die Gondeln seien ein guter Lösungsansatz.

Die Talstation der Seilbahn soll beim Bahnhof Stettbach stehen, die Bergstation käme zwischen die Masoala-Halle und den Zooeingang. Die Baukosten belaufen sich schätzungsweise auf rund 26 Millionen Franken. Die Zoo Seilbahn AG will das Projekt aus eigenen Mitteln finanzieren und damit ihre Verkehrsprobleme in den Griff bekommen. Die Seilbahn hätte bereits 2015 in Betrieb genommen werden sollen. Unterdessen gehen die Verantwortlichen davon aus, dass das neue Transportmittel frühestens ab 2023 fährt. Die Frist der öffentlichen Auflage für das Plangenehmigungsverfahren beim Bund (Konzessionserteilung) läuft Ende Juni aus, jene für das kantonale Raumplanungsverfahren Ende Juli.
Quelle: https://www.nzz.ch/zuerich/mit-dem-zvv- ... ld.1392553
Anita
 
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Re: Zoo Zürich - geplante Seilbahn

Beitragvon Ludmila » Do 14. Jun 2018, 13:12

Das Projekt ist interessant [prima]
Ludmila
 
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Re: Zoo Zürich - geplante Seilbahn

Beitragvon UliS » Do 14. Jun 2018, 15:39

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