Köln - Interview mit Kölns Zoodirektor Theo Pagel

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Köln - Interview mit Kölns Zoodirektor Theo Pagel

Beitragvon Jochen » Mi 30. Okt 2019, 10:59

Menschen kommen immer weniger mit Tieren in Kontakt“ - Quelle
Interview mit Kölns Zoodirektor Theo Pagel

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Kölns Zoodirektor Theo Pagel mit einem Okapi. Foto: RPO/Zoo Köln

Köln Der Kölner Zoodirektor Theo Pagel führt für die nächsten zwei Jahre den Weltverband für Zoos und Aquarien. Wir haben mit ihm über Artenschutz, die Bedeutung zoologischer Gärten und das verrückte Schnabeltier gesprochen.
Von Claudia Hauser

Theo Pagel ist seit zwölf Jahren Direktor des Kölner Zoos und stammt aus Duisburg. In der kommenden Woche fliegt der 58-Jährige nach Argentinien, um dort sein neues Amt als Präsident des Weltzooverbandes anzutreten.

Herr Pagel, herzlichen Glückwunsch, Sie werden nun den Weltzooverband leiten. Was bedeutet das?

Pagel Als Präsident des Weltverbands für Zoos und Aquarien vertrete ich die Interessen von rund 400 Zoos und Tierparks weltweit. In der kommenden Woche verabschieden wir auf der Tagung des Verbands in Buenos Aires eine neue Satzung, die beinhaltet, was wir wollen.

Und was ist das?

Pagel Wir wollen die internationale Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Verbänden und Zoos und die Standards in der Tierhaltung verbessern. Es geht auch um die Förderung globaler Zuchtprogramme. Und wir wollen vor allem im Bereich Naturschutz, Artenschutz und Bildung ganz viel tun. Man geht davon aus, dass etwa 700 Millionen Menschen jedes Jahr weltweit zoologische Gärten besuchen. Es ist eine riesige Verantwortung, diese Menschen zu sensibilisieren und ihnen zu zeigen, dass es wichtig ist, die Artenvielfalt auf unserem Planeten zu erhalten. Global und lokal: In Deutschland stellt sich nach der Rückkehr des Wolfs etwa die Frage, wie Mensch und Wolf gut nebeneinander auskommen können. Die Vielfalt der Arten zu bewahren, ist extrem wichtig.

Ist diese Aufgabe heutzutage noch bedeutender als früher?

Pagel Ja, weil wir zunehmend in verstädterten Gesellschaften leben, wo die Menschen immer weniger in Kontakt kommen mit Tieren. Zoos sind Orte, die Menschen zurück zur Natur bringen.

Im Kölner Zoo gibt es sogar Kühe, Schweine und Hühner. Sind die nicht zu wenig exotisch für die Besucher?

Pagel Der Mensch entfremdet sich immer mehr von der Natur – dabei geht es eben nicht nur um Wildtiere. Wir zeigen einen Wohlfühlbauernhof im Zoo, den es im wahren Leben so kaum noch gibt. Stattdessen haben wir immer mehr Tierfabriken, die allen Standards entsprechen mögen, aber sicher nicht unseren Vorstellungen von einem Bauernhof. Wir wollen zeigen: Wenn ihr wollt, dass die Eier von glücklichen Hühnern kommen, müssen die Eier eben auch mehr kosten. Bio-Ernährung muss ich mir zwar leisten können, ich muss aber auch verstehen und lernen, dass vielleicht zweimal die Woche Fleisch auf dem Tisch reicht. Auf unserem Zoo-Bauernhof können wir den Besuchern außerdem den Tierkontakt ermöglichen. Wir können die Leute ja nicht zu den Elefanten oder ins Raubkatzengehege lassen – im Streichelzoo können sie aber mal ein Schaf oder eine Ziege anfassen. Das nehmen Kinder als intensives Erlebnis mit nach Hause.

Was entgegnen Sie Menschen, die gegen Zoos sind?

Pagel Nur eine Minderheit ist gegen Zoos. Im vergangenen Jahr waren 64 Millionen Menschen in deutschen Zoos. Die Kritiker führen meist das Platzproblem an. Es ist aber nicht allein der Platz, den ein Tier braucht, sondern es ist vor allem die Qualität des Lebensraumes, die stimmen muss. Im Freiland sind die Tiere auch nicht wirklich frei. Damit meine ich: Wenn sie zum Beispiel in ein anderes Revier gehen, kriegen sie Probleme mit dem, dem das Revier gehört. Sie werden gejagt, sie müssen überleben, einen Partner suchen, jagen – das alles fällt im Zoo weg. Die Reviere können deshalb auch kleiner sein. Auch das können wir im Freiland ablesen, an Revieren, in denen es eine hohe Nahrungsdichte gibt. Die sind sehr viel kleiner. Die Tiere bewegen sich also nicht wie wir aus Freude, wenn wir morgens joggen gehen, sondern weil sie es müssen. Der Habicht sitzt zum Beispiel 20 Stunden am Tag nur auf einem Ast und macht nichts, vier Stunden jagt er dann oder sucht sich einen Partner oder muss sich in Sicherheit bringen.

Kritiker führen auch an, dass die Tiere sich im Zoo langweilen.

Pagel Wir beschäftigen unsere Tiere im Zoo, damit sie sich nicht langweilen. Das ist auch etwas, was ich im Weltzooverband umsetzen möchte, dass die Standards auf der ganzen Welt unseren westlichen Maßstäben entsprechen. Man muss einiges im Zoo nachstellen, damit die Tiere ihre Verhaltensweisen ausleben können. Dafür muss der Löwe aber nicht eine lebende Antilope in die Anlage bekommen. Da reicht auch ein fachgerecht getötetes Tier als Ganzes. Da muss er sich anpirschen, den Beutegriff machen, das Tier zerlegen.

Jugend und Politik werden immer umweltbewusster, das dürfte sie als Zoodirektor freuen.

Pagel Vor allem die Jüngeren fragen sich mit immer größerem Nachdruck, wie man die Natur intakt halten kann. Die Fridays-for-Future-Bewegung ist dafür ein gutes Beispiel. Zoos mit all ihrem Know-how bei Bildung, Forschung und Artenschutz spielen bei der Beantwortung dieser Fragen eine wichtigere Rolle. Die Politik muss die Weichen stellen, um das Artensterben und den Klimawandel zu beenden. Ein Erkenntnisproblem haben wir ja nicht, sondern ein Handlungsproblem. Wir wollen als Weltzooverband mithelfen, damit auch unsere Enkel noch eine vernünftige Zukunft haben.

Sie bleiben aber Chef des Kölner Zoos?

Pagel Ja, das ist mein Hauptberuf. Der Präsidentenjob ist ein Ehrenamt, das mach ich nebenher und arbeite dann nach Feierabend ein bisschen länger. Und ich muss mich sehen lassen auf den wichtigen Konferenzen.

Welches Tier würden sie sich noch wünschen für den Kölner Zoo?

Pagel Das Schnabeltier. Das fasziniert mich sehr. Man kann es aber leider nur in australischen Zoos sehen, und die Australier geben keine einheimischen Tiere ab. Es sieht aus wie ein Biber, hat aber einen Entenschnabel, legt Eier und hat auch noch eine Giftdrüse. Etwas Verrückteres gibt es nicht.
Jochen
 
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Re: Köln - Interview mit Kölns Zoodirektor Theo Pagel

Beitragvon Anita » Do 31. Okt 2019, 17:13

Danke für das interessante Interview [tschuess]
Anita
 
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